Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Geschichte der Juden in der Residenzstadt Hannover
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
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130 Geschichte der Juden Die Verhältnisse der hiesigen Juden während des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts beleuchtende Aktenstücke habe ich ausser den bereits von mir veröffentliehten bisher nicht aufgefunden; der Vollständigkeit׳ wegen und um einem mehrfach an mich ergangenen Wunsehe zu entsprechen, theile ich jedoch in den Beilagen die beiden früher nur inhaltlich angegebenen Urkunden mit, von denen die eine die im Jahre 1403 den Herzögen Bernhard und Heinrich zu Braunschweig und Lüne: bürg von dem römischen Könige Rupert ertheilte Erlaubniss, von allen im Sachsen-Lande ansässigen Juden den goldenen Opferpfennig und die Steuer, welche letztere dem Reiche jährlich zu zahlen verpflichtet waren, einzuziehen und die Hälfte für sich zu behalten, und die andere* 1), die von dem königlichen Hofrichter Engelhard von Weinsberg im Jahre 1407 an die in den jüdisehen Friedhof zu Salzwedel gehörenden Juden, welche dem erwähnten königlichen Befehle nicht nachgekommen waren, erlassene Aufforderung enthält, entweder die goldenen Opferpfennige bis zu den nächsten Pfingsten zu bezahlen, oder sich vor dem Hofgerichte deshalb zu verth eidigen. Einen um so reichhaltigeren Stoff vermochte ich dagegen über die Zustände der hiesigen Juden während des sechszehnten Jahrhunderts zusammenzutragen, der zum grossen Theile um so interessanter ist, als sich aus demselben viele bisher noch gänzlich unbekannte Thatsachen beiden von Herschel in dem Anzeiger für die Kunde der deutschen Vorzeit 1860 Kr. 9 und 10 mitgetlieilten Aktenstücke. 13 Siehe Beilage I und II, wo, wie in den folgenden Beilagen, die schwierigen plattdeutschen Ausdrücke am Busse in’s Hochdeutsche übertragen sind. — Dass übrigens Rupert im Jahre 1403 auch zwei Juden mit der Erhebung des goldenen Opferpfennigs und der Juden- Steuer beauftragte, geht aus einer andern Urkunde hervor; siehe Kayserling in dieser Monatsschrift 1860 6. 287. Wie es aber möglich war, dass Rupert, nachdem er erst .am 25. Januar die genannten Juden mit der Steuererhebung im. ganzen Reiche beauftragt hatte, schon am 5. Februar dieselbe im Sachsen-Lande den gedachten Herzögen übertragen konnte, ist freilich schwer zu begreifen,