Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Erklärung des vierunddreissigsten Kapitels im Jecheskeel
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 3)
- Language
- German
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Erklärung des 34. Kap. im Jecheskeel. 113 diese Erklärung die Vermuthungen bestätigt und zu geschiehtliehen Thatsachen erhebt, dann wird sie zugleich ein, wie ich glaube, neues und nicht ungünstiges Licht werfen auf die Beredsamkeit Jecheskeel’s und seinen feinen Tact, mit dem er den politischen Zwang umging, so wie auf die Bildungsstufe seiner zahlreichen, zu ihm sieh drängenden Hörer (33, 10—11). . Bedenken wir den allerdings gerechten Zorn Nebukadnezar’s über Zidkijahu’s Abfall und Aufstand, dem die besten Propheten widerratben hatten, bedenken wir, wie grausam Zidkijahu selbst und seine Familie bestraft wurde, und nehmen wir den hüchmüthigen Charakter des eroberungssüchtigen Babyloner- , königs (8. des. 14, 5—24) und seines Volkes hinzu, so können wir leicht errathen, dass das Elend der Fortgeführten furchtbar und grausenerregend gewesen sein muss.־ Das Buch Echa und der mit Blut und Thränen geschriebene Psalm 137 bestätigen dies.bis zur Gewissheit. Der Zorn des Fürsten aber auf einen Volksstamm genügt, um alle bösen Leidenschaften des Hasses, der Habgier, der grausamen Qualsucht und ihr Gefolge unter den Völkern zu entfesseln und ihnen die Richtung auf die Unterdrückten und Verstossenen zu geben. Und so scheint denn die erste Flamme des Zornes, welche Jerusalem plünderte, die Königskinder tödtete und ihren Vater blendete, welche endlich Jerusalem zerstörte und den Prachttempel verbrannte, fort gewüthet zu haben zwischen den Söhnen Juda’s, bis ein neuer König den babylonischen Thron einnahm. Wenigstens können wir wiederum vermuthen, dass die Befreiung Jojachin’s aus langjährigem Gefängniss und seine ehrenvolle Aufnahme in die Reihe der Ewilmerodach umgebenden Fürsten, von anderen Gunstbezeugungen gegen das Volk Juda selbst begleitet gewesen ist. Ob noch Jecheskeel diese Wendung erlebt hat, davon wissen wir nichts, und eben daraus können wir sehlies sen, dass er sie nicht mehr erlebt habe, da sonst der tief empfindende Prophet auch darüber ein Wort der Begeisterung und der Freude, gesprochen hätte. Aber jene böse qualvolle Zeit unmittelbar nach der Zerstörung des Reiches Juda, die Ankunft der gehetzten und verhöhnten (Psalm 137, 2), von grausamen und achtlosen Hirten gleich Schafen getriebenen Judäer muss Jecheskeel mit tiefem Schmerz erfüllt haben, und doch sollte er darüber nicht ein Wort gesprochen und geschrieben haben? Der Schmerzens- Frankel, Monatsschrift X. 3 9