Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 15)
- Language
- German
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Lewi ben Gerson {Gers:onides) als Religionsphilosoph. 107 allgemeine Geist diese (sichi wissende) Ordnung selbst in einer gewissen Weise. In einer g»ewissen Weise allerdings nur! denn, wie es einerseits klar ist, dass er (der allgemeine Geist), insofern er alles Hiesige י verwirklicht, d. h. aus der materiellen zur formellen Existenz führt, selber das der Wirklichkeit ist, was die seiner Einwirkung ihrem Bestand verdankenden Dinge der Möglichkeit nach sind, so iisfc andererseits nicht zu übersehen, da§s ja die Form des Kunstwerkes im Kopfe des Künstlers nicht genau in derselben Weise existirt,* wie die durch die Arbeit im Materiellen hervorgeb rächte Form. Die Art nun, wie wir uns diese Ordnung im aillgemeinen Geiste zu denken haben, ist die, dass wir in ihm alles Formen als durch ein gegenseitiges Verhältnis8 bestimmt und darum eine Einheit bildend uns vorstellen. Die Materie schreitet fort von Stufe zu Stufe zu immer neuen Verwirklichungen. Eüne Entelechie vermittelt die andere, eine Entelechie zugleich ist blos da um der späteren willen, bis die letzte Entelechie erreicht ist, um deren willen alle Stufen des Werdens durchlaufen sind. So zeigt sich das Werden hienieden als Eins durch den einheitlichen Zweck. Und so ist in noch eminenterem Sinne auch der allgemeine Geist, dem all’ das hiesige Werden zuzusc.lireiben ist, eine Einheit. Den handgreiflichsten Beweis aber dafür, dass eben ein euergetischer Geist die hiesige Bewegung und das Werden hervorrufe und leite, findet Gersomides in der Generation. Er macht einen ziemlick weitläufigen Excurs, um nachzuweisen, dass die Zeugung nur unter directer Mitwirkung eines energetischen Geistes zu begreifen sei. Es versteht sich, dass er dabei die Zeugungstheorie des Aristoteles zu Grunde legt, ohne dieselbe jedoch genau so zu fassen, wie sie in den Schriften des Stagiriten sich findet, noch am eh selbst wie sie von Averroes gelehrt worden war, sondern., wie er sie aus übersetzten christlichen Aristoteleserklärern (wohl dem Albertus Magnus) kennen gelernt hatte. Aristoteles, meint er, habe den Samen erklärt als den (naturgemässen und noch brauchbaren) Abgang der letzteil Nahrung (des Blutes). Deshalb habe er die Entstehung der Seele nicht auf den Samen als solchen zurückgeführt, sondern auf die dem Samen Zeugungskraft verleihende Wärme, die nicht Feuer sei, sondern ein den. Himmelskörpern unter Vermittelung der Sonne und der übrigem Gestirne entströmender (ätherischer)