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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 3 · p. Seite 105

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 3
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 105 (sequence 13)
Language
German
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Lewi ben Gerson (Gersonides) als. Religionsphilosoph. 105 Ziel erreicht, denn dann hört die Verbindung des allgemeinen Geistes mit uns von selbst auf und der hylische Geist wird wieder allgemeiner Geist. Die Natur hätte uns demnach mit dem Verlangen zu erkennen nur für eine Weile geneckt. Aber es lässt sieh auch sonst die Unmöglichkeit der averroistischen Anschaumig darthun. Alles was von Möglichkeit zur Wirklichkeit übergeben soll, bedarf eines dahin Ueberführenden. Das den hylisehen Geist zur Verwirklichung Führende nun ist der allgemeine Geist. Wäre aber der hylische Geist der. allgemeine, so müsste er sich selbst verwirklichen. Ueberhaupt, wie will Averroes das vorstellig machen, dass der allgemeine Geist, der doch jedenfalls des Leidens unfähig und beständig verwirklicht ist, in uns sich so verändert, dass er blosse Möglichkeit (Fähigkeit) wird? Zugleich wiederum, wie kommt er zu dem Zuwachs an Fähigkeit, dass er, an sich nur fähig, sein eigenes Wesen zu fassen, weil er in uns ist, im Stande sein soll, die sinnlichen Formen zu erkennen? Ausserdem, was frommt dem hylischen Verstände, die sinnlichen Formen zu abstrahiren und sie so in ihrer Reinheit zu erkennen? Der allgemeine Geist ist ja die geistige Ordnung der Dinge hienieden, ihre wahre Form, d. h. die Form, in welcher die hier getrennten Wesenheiten geeint sind dadurch, dass sie durch den Zweckgedanken gebunden werden. Da nun der allgemeine Geist die hiesigen Formen in ihrer Wahrheit erkennt, was soll es, dass er als hylischer Geist sie wieder unvollkommener-erkenne? So fährt Gersonides fort zu fragen, um die Hypothese des Averroes als unhaltbar nachzuweisen. Wir führen nur noch einen Einwand an seiner Eigenthümlichkeit wegen. Der allgemeine Geist ist nur Einer. Man sollte meinen, dass er auch als hylischer Geist nur Einer und in Allen derselbe sein müsste1). Aber dann wäre ja derselbe Geist in A wissend und in B un- 0 Dass diese Consequenz in der That von Averroes gezogen worden, und er zuerst unter den Arabern zwischen dem leidenden Verstände, der in jedem Einzelnen verschieden ist, und dem hylisehen Verstände, welcher die Empfänglichkeit der Menschenart für die Aufnahme des allgemeinen Verstandes ausdrückt, unterschieden hat, so. dass wir also von Gersonides glauben müssen, er sei nicht genau genug auf die Meinungen des Averroes ein gegangen, darüber kann Ritter, Die christliche Philosophie S. 601, belehren.

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