Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 12)
- Language
- German
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104 Lewi Len G־erson (Gersonides) als. Religionsphilosoph. Sachyerhältniss nach Alexander etwa so vorstellig׳ machen. Die Natiir ist gradweise fortgeschritten in der Hervorbringung von Dispositionen oder Vermögen. Während nämlich beim niedrigsten 8inn, dem Tastsinn, der Träger dieses Vermögens von der Wärme und Kälte, die das Vermögen wahrninunt, selbst alterirt wird, ist die Alteration, welche das Organ des Gesichtssinnes , erfährt, schon schwächer, da ja das Sehorgan, das die Farbe wahrnimmt, nicht selber gefärbt wird. Noch weniger materiell ist die Wahrnehmung des mehreren Sinnen Gemeinsamen (wie z. B. der Bewegung, die sowohl vom Gesichtssinn als vom Tastsinn wahrgenommen werden kann). Von allen sinnlichen Vermögen aber am reinsten empfängt die Phantasie (das Vermögen .der Vorstellung) ihre Gegenstände, bis denn die Natur zu einer Disposition gelangt ist, eben dem hylischen Verstände, der seine Objekte ohne jede Vermischung mit der Materie und mit seinem Träger erhält. Damit fällt aber alles aus dem Unterschiede der sinnlichen Wahrnehmung vom Denken gegen Alexander Gefolgerte. Der Verstand wird nicht schwächer durch das Alter. Das liegt daran, dass• sein Organ nicht wie die Sinnesorgane zerstört wird, da das Denken überhaupt an kein Organ geknüpft ist. Auch das.sinnliche Vermögen wird nicht eigentlich schwäeher, sondern das Organ, vermittelst dessen, das Vermögen thätig ist. Die Wahrnehmung ferner ist an das Einzelne geknüpft, während das Denken Unendliches in einem Akte umfasst. Auch das liegt nur an den Mitteln, mit denen die Sinne arbeiten. Und so lässt sich leicht auch alles Uebrige widerlegen, wie sich in Folgendem no ch näher heraus stellen wird. Bleibt so nur noch die Meinung des Alexander und des Averroes über die Natur des hylischen Verstandes, so handelt es sich jetzt um die Prüfung der Meinung des Averroes. Sie ist schon darum unmöglich,, meint G., weil sie trostlos ist. Von aller Erkenntniss, die nicht geradezu auf einen praktischen Zweck hinausläuft, also von aller theoretischen Erkenntniss, ist nach Averroes kein vernünftiger Zweck abzusehen. Nach Averroes nämlich ist das Hauptziel des Denkens und 8pekulirens die Vereinigung mit dem allgemeinen Geiste. Ohne zu behaupten, dass das nicht eine relative Wahrheit hat, lässt sich doch, wie Averroes es hinstellt, Nichts damit anfangen. Mit dein ׳Tode hat der Thor und der Weise in gleicher Weise dieses