Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 11)
- Language
- German
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Lewi ben Gerson (Gersonides) als Beligionsplnlosoph. 1Ö3 gerade die Wesenheit des Menschen ausmachen. Wie sollen wir nun eine blosse Disposition, ein blosses Accidens der Thierseele, als seine Wesenheit ans eben, abgesehen davon, dass ja die Disposition nicht blos specifisch, sondern sogar generisch von ihrem Träger verschieden sein soll. Wegen dieser Schwierigkeiten nun, meint Gersonides, die beide Meinungen drücken, scheint sich die Ansicht des Averroes zu empfehlen, der beide Meinungen combinirt. Der allgemeine Geist wird, indem er in uns individuell existirt, zur blossen Disposition, die nach Averroes gerade wie nach Alexander in Jedem entsteht und vergeht. An sich aber ist es der kosmische Geist, und daraus erklären sich die angeführten Eigenthümlichkeiten des Denkens. Durch diese Annahme wird auch zugleich die Schwierigkeit vermieden, wie ein für sich ohne Verbindung mit dem Organismus bestehender Geist eine blosse Möglichkeit (Disposition) sein kann. Denn nach Averroes kommt diese Eigenschaft dem Geiste nicht an sich zu, sondern nur accidentell, insofern er in uns ist. Aber es fragt sich, ob denn die Einwände gegen Alexander und Themistius stichhaltig sind. Nun, des Themistius Meinung ist unmöglich! Ein für sich bestehender Geist kann keine Disposition zum Erfassen aller Ideen sein. Er müsste ja bereits irgend eine Form sein und als solcher nicht mehr ein reiner und ungetrübter Spiegel für die Aufnahme der übrigen Formen1). Ebenso treffen gegen ihn die bereits vorgebrachten Einwände. Nicht in gleicher Weise steht es um die Ansicht des Alexander. Sie lässt sich allem Eingewendeten gegenüber halten. Auch nach Alexander nämlich empfängt die geistige Disposition (der hylisehe Verstand) die Denkobjecte in reiner Weise, d. h. ohne dass die sinnliche (wahrnehmende) Seele dabei mitwirkt, und das ist, warum er von ihr sagt, sie sei unvermischt und ohne Verbindung mit dem Körperlichen. Die Seele ist also nach ihm, wie Averroes seine Meinung darstellt, die conditio sine qua non für die Existenz dieser Disposition (des hylisehen Verstandes), nicht aber für das Empfangen der Denkobjecte eben von Seiten dieser Disposition. Es lässt sich das *) Vgl. Arist. de anima III, 4.