Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 10)
- Language
- German
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102 Lewi ben Gerson (Gersoni&es) als Religionsphilosoph. Nach Alexander, meint er, ist die angeborene Fähigkeit des Menschen zum Denken, der sogenannte hylische Nus, zwar Etwas, was ihn speeifisch vom Thiere unterscheidet, aber diese Fähigkeit wird doch von der Thierseele (der wahrnehmenden) getragen, ist wie sie entstanden und vergeht auch wieder mit ihr. Nach Themistius hingegen ist es unbegreiflich, wie der Geist in den Menschen hineinkommen soll, zumal da nach aristotelischen Grundsätzen das Geistige zwar Princip der Bewegang ist, aber sich nicht selber bewegt. Meint man aber dieser Schwierigkeit entgehen zu können durch die Fassung des Geistes als ״für sich bestehend," so dass nicht eigentlich von einer Bewegung in den Körper hinein, sondern nur von einer Wirkung des einen und identischen Geistes auf jeden Körper die Rede sein soll, 80 sieht man nicht ein, wie Themistius von einem individuellen Geiste reden kann, der in Jedem ein anderer sein soll und ja auch factisch in Jedem ein anderer ist. Freilich spricht wiederum dafür, dass der menschliche Geist ein für sich bestehender und nicht aus der Zeugung zu erklärender sei, die Thatsache, dass er so wesentlich von der sinnliehen (wahrnehmenden) SeeLe sich unterscheidet. Er verliert nicht wie die Sinneswahrnehmung mit dem Alter an Kraft, was nur aus seiner Getrenntheit vom Organismus erklärt werden kann. Er erkennt nicht blos wie der Sinn diese (einzelne) Farbe u. 8. w., sondern das Allgemeine und Unendliche (eine infinite Anzahl von Objecten Enthaltende). Ferner ist bei der sinnlichen Wahrnehmung, z. B. beim Sehen, der Sinn, welcher wahrnimmt, die Farbe, welche in den Sinn dringt und die Farbe des wahrgenommenen Gegenstandes nicht eins sondern drei, beim Denken hingegen macht Denkendes, Denken und Gedachtes nur eins aus. Ausserdem unterscheidet sieh das Denken vom Wahrnehmen dadurch, dass dieses ein leidentliehe8 Verhalten des Sinnes zu den Objekten bedingt, weshalb auch beispielsweise das Sehen unmöglich wird bei zu viel Licht und bei zu wenig Licht, während das Denken an kein solches Mittelmass gebunden ist. Endlich, soll ja der Geist nach Aristoteles1) J) Eth. Kic. X, 7 p. 1178, 2: dot-ELS Z'ör nai slvat SKa6%0$ rovvo (Jeder scheint das, nämlich. Geist zu sein), e’iueq tö kvqiqv xo׳c afmvov u. a. St.