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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 3 · p. Seite 99

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 3
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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Lern ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. 99 eigene Energie sich verwirklichen lässt/ Dabei ist aber nicht ausser Acht zu lassen, dass Aristoteles zwei Seiten des Geistes unterscheidet. Nach einer Seite hin nämlich ist er von der sinnliehen Wahrnehmung abhängig und bedarf der Denkbilder {(pav- Taßfiava), Nach der anderen Seite hat er mit dem Organismus Nichts, gemein. ‘Daher auch nur der Geist im letzteren Sinne als ,*abtrennbar“ (%(0qigtöq נבדל) und unsterblich gefasst werden kann. Der andere dagegen oder die andere Seite des Geistes, den Aristoteles ״leidenden Geist“ {vovg 1tc£&7]Ttxag) nennt, und der eigentlich Nichts sein kann, als das dianoetische Vermögen der Seele* d. h. das durch sinnliche Wahrnehmung vermittelte Denken7‘), wird als mit dem Leibe vergänglich gefasst. Dass nun Aristoteles* wenn er von dem *,abtrennbaren“ Geiste redet, nicht den göttlichen oder allgemeinen Geist, sondern einen individuellen, menschlichen Geist meint, liegt unverkennbar in seinen Ausdrücken* 2). Die Schwierigkeit aber, welche das Eingehen dieses Geistes in den Organismus, sein Zusammenhang mit und doch wieder seine Freiheit von demselben hat, war nach dem Berichte des Themistius schon für den nächsten Schüler des Aristoteles, den Theophrast, beunruhigend3). Sehen wir jedoch, was im Laufe der Zeit aus die- 8er Lehre geworden ist. Wir lassen uns von jetzt ab bereits von Gersonides leiten, nur dass wir etwas breiter die Meinungen des Alexander Aphrodisiensis, des Themistius und des Averroes gehen, da sie von Lewi ben Gerson als bekannt nur kurz an ge deutet und sofort einer Prüfung unterworfen werden. . Alexander Aphrodisiensis, dessen Auslegung hei den Arabern am meisten nachgewirkt hat, urgirte die Worte des Aristoteles* nach welchen der menschliche Geist {vovg) eine blosse Anlage sein soll, die vor ihrer Verwirklichung so wenig existire, wie das noch nicht Geschriebene auf der Schreibtafel. Trägerin dieser Anlage und daher, um heim Bilde zu bleiben, der Schreibtafel als einer realen Sache vergleichbar,: ist die 0 Vgl. Brandis, Aristoteles und seine akademischen Zeitgenossen S1178 .־ Note 267; 2) Vgl. B'randis, 1. 1. S. 1179. 3׳)'Vgl. Brandis, Uebersieht über das Aristotelische Lehrgebäude u. 8. w. S. 288. 8'

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