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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 3 · p. Seite 98

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 3
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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Ö8 Lewi ben Gerson (GersQnid.es) als Religionsphilosoph, zogene Vereinigung der ernährenden (Pflanzenseele) mit der wahrnehmenden (Thierseele) gedacht hat,, so lässt uns Aristote- 168 darüber nicht im Unklaren. Die höhere Seelenstufe umfasst die niedere wiederum so, dass diese, obgleich relativ Entelechie, Verwirklichung, dennoch wiederum blos Möglichkeit der höheren gegenüber ist. Somit ist die Anschauung die, dass gewissermassen das ErnäbrungsvermÖgen sich zum wahr 11 ehmen den, und das wahrnehmende sich zum vorstellenden und denkenden steigert. Hier jedoch hält Aristoteles inne. Das reine Denken ist keine Funktion des Organismus. Es ist daher auch an kein körperliches Organ gebunden, wie die Ernährung und Wahrnehmung. Auch lässt es sich nicht mit den übrigen Funktionen des Organismus vergleichen. Das ernährende und wahrnehinende Vermögen bedarf der äusseren Gegenstände und verhält sich zu diesen äusseren Gegenständen leidentlieh. Darum nimmt die Wahrnehmung auch nicht sich selber wahr. Das Denken jedoch, wenigstens das reine Denken, d. h. dasjenige, das nicht auf sinnliche Denkbilder (cpaviaGiiatci, Schemata) zurückgeht, ist. kein Leiden, sondern ist mit seinem Gegenstände identisch.. Das Denken erkennt das an sich Seiende, Ewige, Nothwendige, und zwar durch ein unmittelbares Ergreifen. Auf diesem unmittelbaren Ergreifen beruht alle Wissenschaft. Denn das die Wissenschaft Begründende ist nicht selber Wissenschaft, d. h. bewiesene Erkenntnis8, da zum Beweisen ein Erstes gehört, das ohne Beweis durch ־ sich selber gewiss ist.. Das Princip dieser unmittelbaren Erkenntnis8 ist eben der Geist. Dieses Princip ist keine Entelechie des Organismus, vielmehr ״von aussen" in den Organismus gekommen. Aber freilich ist nicht zu verkennen, dass der. menschliche Geist ja zunächst nicht als verwirklichter, sondern als bl-os׳ angelegter, d. h. möglicher Geist,, auftritt. Dem ist auch so, meint Aristoteles, und, wenn wir in eingeschränktem Sinne-, nämlich blos in Beziehung auf den Geist,, das Wort des Plato adoptiren, ״ die Seele sei der Ort der Ideen," so müssen wir dieses Wort selber wiederum dahin ein schränken,, dass sie p der vielmehr der Geist, der Möglichkeit nach alle Ideen ist,, der Wirklichkeit nach aber diese: Ideen allerst, wenn er sie. gedacht hat.. Aristoteles beseitigt somit das Leiden des Geistes dadurch, dass er ihn durch seine

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