Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Lew! ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. Seele (1׳pv%ir1)• Verwirklicht' nun wird diese Anlage {imtrjdsLorrjgy »הכנר) durch den poietischen oder energetischen, d. h. in deständiger Wirklichkeit und Wirksamkeit existirenden Geist. Dieser'kraftthätig existirende‘ Geist aber ist nicht der menschliehe, sondern der göttliche (allgemeine) Geist. - Er wirkt — und darum heisst er vovg Tto^nnog nach den aristotelischen Worten über ihn ־״rcS Ttavra noielv" — auf diese Anlage, die daher, verVsteht sich uneigentlich, von Alexander ^,hylischer Geist" {vovg vhnog) genannt wird, und bringt sie zur Wirklichkeit, d. h. in den Besitz der Denkobjecte. Diesen so verwirklichten menschliehen Geist nennt er den ״erworbenen^ {vovg mmri'cog). Kaum gesagt zu werden braucht,־, dass die hebräischen Ausdrücke שכל ההיולאני ,שכל הפועל und שכל הנקנה den Ausdrucken des Alexander entsprechen. Abgesehen davon, dass diese Interpretation des Aristoteles schwerlich textgetreu ist, da Aristoteles ziemlich unverkennbar auch den energetischen Geist in den Menschen verlegt, ist Alexander wohl auch nicht leicht im Stande, es fassbar zu maeben, wie diese blos noetische Anlage mit der von ihr qualitativ verschiedenen Seele verbunden sein soll. Die Seele ist etwas Reales. Mit ihr tritt in eine Art mystischer Verbindung die Anlage zum'Nus, .der nicht einmal eine so relative Realität gegeben werden kann, wie der Hyle, da die Bezeichnung dieser Anlage durch ״hylischer Nus" eine blos bildliche sein kann. Sobald nämlich die Anlage zum Nus wirklich geworden, besteht der Nus nicht etwa aus einer Eorm und einer Hyle, sondern er ist Nichts als Form. Doch gestehen wir, dass diese Schwierigkeit, es fasslich zu machen, wie Aristoteles sich die Verbindung zwischen der die Verwirklichung des Organismus vorstehenden Seele .und dem dem Organismus fremden Geiste (Nus) gedacht hat, nicht eigentlich, den Erklärer, sondern den Aristoteles selbst drückt. Ja möglich sogar, dass Alexander gerade durch diese Fassung des menschlichen Nus, als eines zunächst real gar nicht Existirenden, der beregten Schwierigkeit aus dem Wege zu gehen glaubte. Gegen die Ansicht des Alexander nun trat Ihemistius auf^ indem er aus den Worten des Aristoteles nachweist, dass auch der energetische Geistim Menschen zu suchen. Aber freilich wird dann die Frage, wie ein vom Organismus abtrennbarer