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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 3 · p. Seite 97

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 3
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosopli. .97 da diese eine Bekanntschaft mit den Hauptzügen der aristotelisehen Psychologie voraussetzt und sofort mit der Frage nach• dem "Viesen des Geistes beginnt. Aristoteles Lehre von der Seele ist die Anwendung einer bekannten5 von ihm zur Erklärung alles־ Werdens in der dies- Zeitigen Weit aufgestellten Grundhypothese auf die Seele und ihr Verhältniss zum Leibe. Da das Werden nach Aristote- 168 weder aus einem Nicht seienden, noch auch aus einem b e.- reit8 seienden zu begreifen ist, 80 muss Alles aus.einem noch nicht Seienden werden, d. h. aus Etwas, dem kein wirkliches, sondern ein blos mögliches Sein zukommt. Dieses blos m׳ögliehe Sein ist die bekannte aristotelische Hyle-, der Ur Stoff, die Materie. Liebergeführt zum wirklichen Sein wird diese Hyle durch die Bewegung, welche hervorgerufen wird, indem die Hyle von dem einzig wahrhaft ־wirklichen Sein, den göttlichen Gedanken, ergriffen wird. Diese göttlichen Gedanken sind somit Ursache der Bewegung, aber auch Ziel derselben. Denn was durch die Bewegung erreicht wird, ist geformte Hyle. Die Form aber ist Gedanke, ist der im Hylischen (Materiellen) sich verwirklichende göttliche Gedanke־ (Entelechie). Aber mit der ersten Entelechie ist die Triebkraft des zu Grunde liegenden göttlichen Gedankens nicht erloschen, vielmehr ist die erreichte Entelechie wieder die Unterlage, also relative Materie, für weitere Verwirklichungen. Somit ist klar, was Aristoteles־ sagen will mit seiner Definition der Seele, dass sie ,,die erste Entelechie des organischen Körpers“ sei. Sie ist, sagt er damit im Zusammenhang, weder einerlei mit dem Körper, noch auch in dem Sinne von ihm verschieden, dass sie (was Plato gelehrt hatte) abtrennbar wäre. Sie ist die wahre Wesenheit und die Form des Körpers, denn sie ist die. Verwirklichung dessen, wovon der organische Körper nur die Möglichkeit ist. Sie ist ferner der Zweck des Leibes, denn alle seine Organe stimmen zusammen zu ihrer Verwirklichung. Sie ist endlich Princip aller vom Organismus zu vollziehenden B ewegungen, .da diese nicht als mechanische, sondern eben als seelische zu fassen sind. Die Beseelung beginnt aber nicht erst heim Menschen und beim Thier6, sondern schon die Pflanze hat seelisches Lehen. Fragen wir nun, wie sich die Pflanzenseele zur Thierseele verhält, mit anderen Worten, wie Aristoteles sich die im Thiere voll־* Frankel, Monatsschrift. X, 3. g

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