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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 3 · p. Seite 96

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 3
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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96 Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. mitzutheilen, und es wohl schwerlich einem Leser erwünscht sein dürfte, die häufig allzu lang ausgesponnenen Untersuciiungen in extenso vorgeführt zu erhalten, so glaubten wir doch, um neben den Meinungen auch die Methode des Gersoniden zur Anschauung zu bringen, die erste Abhandlung etwas weitläufiger geben und erst für die übrigen der erforderlichen Kürze uns befleissigen zu müssen. a) Gersonides' Abhandlung über Unsterblichkeit. Die Methode, die G. bei seiner Untersuchung befolgt, könnten wir die aristotelische nennen. Durch eine eingehende Kritik nämlich der Meinungen, welche die früheren Ausleger des Äristoteles aufgestellt, bahnt er sich den Weg zu seiner eigenen. Selbstverständlich jedoch dürfen wir bei Gersonides weder die Absicht, noch bei seinen erst aus dritter Hand abgeleiteten Quellen die Möglichkeit voraussetzen, eine authentische Interpreta/tion des Aristoteles zu gehen. In jener Zeit legte man ja überhaupt einen Philosophen nicht in der Absicht aus, zu finden, was dieser Philosoph gedacht, sondern was man selber denken sollte. Da der Nachtheil eines solchen Verfahrens zu sehr auf der Hand liegt, um hervorgehoben werden zu müssen, so halten wir es umgekehrt für geeignet, auch einmal den Vortheil, den die Sache hatte,• anzumerken. Die Philosophen des Mittelalters, weil sie in der Philosophie des Aristoteles nicht einen überwundenen Standpunkt sahen, den man nur geschiehtlieh zu begreifen hat, sondern die Philosophie schlechthin, sahen sich dringender als die modernen Interpreten zu Ergänzungen -genöthigt, wo das aristotelische System eine Lücke liess. Diese Ergänzungen gehen wohl häufig weit über die Intention des Aristoteles hinaus oder verkennen sie, aber nicht selten auch sind,sie aus einer so tiefen Kenntniss des aristotelischen System’s selbst geschöpft, dass man in ihnen nothwendige Ergänzungen erkennt. So hat auch Lewi ben Gerson, ohne von einem authentischen Aristotelestext auszugehen, dennoch des Aristoteles wahre Meinung in der Unsterblichkeitsfrage besser getroffen, als man es bei seinen Mitteln erwarten sollte. Doch sehen wir uns hier, auf die Gefahr hin, Manches aus der Abhandlung seihst vorwegzunehmen, genöthigt, den Leser durch eine kurze Orientirung bis an die Schwelle derselben zu führen,

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