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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 3 · p. Seite 95

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 3
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religkmsphilosopli. 95 unterscbätzen. Die Trostlosigkeit, von der wir reden, beziehen wir übrigens nicht blos auf die Leugnung der individuellen Un- Sterblichkeit, sondern auch auf die bei Averroes damit zusarnmenhängen'de') Lehre, dass die Menschheit keine fortschreitende, sondern eine im Kreise sich drehende״ Entwickelung habe, eine Lehre, gegen die ebenfalls Gersonides mit Bewusstsein ankämpft. Ihm nämlich steht die Thatsache einer fortschreitenden Ent- 'Wickelung so fest, dass er nicht blos sein Recht, den Meinungen früherer Religionsphilosophen zu widersprechen, daraus deducirt2), sondern neben speculativen Gründen auch aus die- 8er Thatsache die von Aristoteles behauptete Ewigkeit der Welt (a parte ante) widerlegen zu können meint. Die Wissenschäften, meint er, sind nicht seit unvordenklichen Zeiten zum Abschlüsse gekommen. Vielmehr hat die Philosophie erst in Aristoteles, die Medicin in Galen, die Astronomie überhaupt noch nicht ihre Vollendung erreicht. Unter Voraussetzung einer seit unendlicher Zeit arbeitenden Menschheit aber kann die Jugend der .Wissenschaften nicht erklärt werden, da das »Streben nach Wissen eine Ureigenthümlichkeit des Menschen ist3). Lasst sich so bei näherem Eingehen die geschichtliche Stellung der ersten Abhandlung erkennen, so werden wir noch leichter gewahren, dass die übrigen Abhandlungen des Milchamot solche für die Theologie gleich sehr wie für die Philo80phie bedeutsame Punkte betreffen, welche ihm von den Früheren nicht befriedigend erörtert zu sein scheinen. Es sind dies die Fragen über Prophetie, über die Art des göttlichen Wis- 8 6ns, über Vorsehung, über die in der arabisch-aristotelisehen Philosophie so wichtigen Sphärenbeweger und — eine Frage, die für ihn der erste Antrieb zur Abfassung des Milchamot gewesen — über die Art, wie man sich die »Schöpfung zu denken habe. Wer den More Nebuchim kennt, ersieht schon aus den Thematen, dass Gersonides es für nöthig erachtet haben müsse, Maimoni’s Erörterungen, die ja fast ganz genau denselben Punkten galten, zu bekämpfen oder zu berichtigen. Obwohl es nun ausreiclit, die Hauptresultate des Milchamot Ueber diesen Zusammenhang siehe Ritter, 1. 1. S. 601 ff a) Vorrede zu Milchamofc. ף Milchamofc, B. VI, Abfch. I, Cap. XV.

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