Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die höchsten Gewalten im biblischen Staate
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
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90 Die höchsten Gewalten im biblischen Staate. äste. Auch noch die Makkabäer beriefen diese Aeltesten und bedienten sieh dieser, von manchen Forschern in Bezug auf die.Characteristik der damaligen Verhältnisse zu wenig gewürdigten Institution, um sich des Beistandes der Massen zu vergewissern. Sehen wir hier nun Königthum und Volksthum in solcher Art vermittelt, so trat noch ein dritter Factor hinzu, dies waren die Propheten. Sie vertraten, als in׳ spirirte Volksredner, die Macht der Intelligenz, die geistigen Interessen, welche der Gesetzgeber dem biblisehen Volke und Staate anvertraut hatte. Das Wesen der damaligen Intelligenz, dem allwärts herrschenden Heidenthum, jenem Menschenopfern, jener sittlichen Verworfenheit gegenüber, es concentrirte sich philosophisch, religiös und moralisch in dem Gedanken des Monotheismus, der in seinen Consequenzen — Gott als Schöpfer und Vater aller Menschen — schon bei Moses vollständig zur Anschauung gebracht, das ganze Thun des Mensehen ethisch ordnete. Die Könige konnten sich, wie es auch theilweise geschah, von dem heidnisch-grossartigen Pomp des Göttercultus anlocken lassen, den Gewalten seines angstvollen Aberglaubens anheimfallen, das Volk konnte ihnen nachgehen, der Sinn für die besten, geistigen Kleinodien des Volkes konnte einschlummern, die Propheten riefen ihn wach. Sie waren die ersten, wahren Volksredner, wie sie kein anderes Volk jener alten Zeit hatte. Sie übten, oft auch einen politischen Einfluss, aber immer im Interesse der Religion und Sittlichkeit überhaupt. Sie hatten stets das grosse• Ganze des heiligen Volksberufs im Auge, nie persönliche Interessen. Sie bildeten keinen Orden, wenn es auch sogenannte Propheten-Schulen gab, denen .Propheten eben nur vorstanden. Sie wirkten, wie Moses, nur durch moralische Energie. Sie zeichneten sich weder durch Kleidung noch durch Lebensweise aus, es sei denn, dass Beides ihre Dürftigkeit und das geringe Mass ihrer Bedürfnisse verrieth. Sie bezogen nirgendwoher ein Einkommen. Sie vergassen ihrer Noth,’ indem sie des Volkes und seines Berufes gedachten, und waren Märtyrer, oft die Opfer