Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die höchsten Gewalten im biblischen Staate
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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Die höchsten Gewalten im biblischen Staate. 89 bis jetzt mit dem Obemchteramte, ־wie die letztere, schon betraut, oder sich durch die jetzt beginnende öffentliche Wirksamkeit auch dazu empfehlend. Ein Solcher rief dann das Volk zusammen, d. h. er ging oder schickte zu seinen Aeltesten und Vertretern, und wusste er diese für sein Befreiungswerk zu gewinnen, weckte er nur unter ihnen den Sinn für die gemeinsame That, so wirkte Jeder von ihnen in seinem Stamme, seiner Stadt und Familie das Weitere, und ein gewaffnetes Aufgebot stellte sich bald unter des neuen Richters Befehle. Durch die Bildüng stehender Heere entzogen die Könige sich th eil weise dieser Abhängigkeit, doch blieb die U eb er eins timmung mit den Volksvertretern ihnen äusserst wichtig, so wie bester Schutz und Förderung, ebenso auch das Zerreissen dieses Bandes von den gefährlichsten Folgen. Ein sprechendes Beispiel von dem Letzteren, so wie von dem Wesen und der grossen Bedeutsamkeit dieser repräsentativen Institution gewährt uns die Theilung des Reiches unter Rehabeam, dem Sohne des so mächtig herrschenden Salomo. War auch der König, wie Saul, durch den Propheten designirt, oder trat er die Erbfolge seines Vaters an, er galt nicht als König, bis das Volk ihm gehuldigt. Dies sollte auch bei Rehabeam geschehen. Die Bezeichnung ,,das Volk“ will aber hier nicht etwa sagen: die versammelte Volksmenge der Hauptstadt, sondern die aus allen Provinzen zusammengekommenen Vertreter des Volkes. Sie wollten ihm zuerst gewisse Bedingungen vorlegen, die auf Erleichterung der unerträglich gewordenen, grossen Lasten abzielten. Der junge Königssohn glaubte durch eine recht trotzige Antwort ihnen zu imponiren, aber er verletzte sie so tief, dass die Versammlung, ohne ihm zu huldigen, auseinanderging. In diesen Vertretern hatte er das Volk zusammen, waren sie nicht mehr da, so war jede Beziehung zu dem letztem abgebrochen, und konnte oder wollte er nicht mit einem Heere das Land neu erobern, wie Feindesgebiet behandeln und in Unterwürfigkeit halten, so vermochte er es nicht zu hindern, dass die grössere Zahl der Stämme sich in Jerobeam einen König wählte und ein besonderes Reich Israel bil-