Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
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74 Recensionen und Anzeigen. . von einem Manne ausgesprochen werden;■!tonnten, der im Vor- Worte sich;rühmt, den vulgairen Supranaturalismus überwunden, zu haben. Was verstehet der Verfasser unter der ״drangsalvollen Zeit,“ welche das jüdische Volk noch immer habe? Den bürgerlichen Druck? Dass, es namentlich in den sogenannten ״ christlichen" *Staaten noch . nicht allenthalben in diejenigen Rechte eingesetzt ist, die ihm nach dem natürlichen Rechte zukommen? Da hat sich aber der Verf. selbst in einen Wider- Spruch verwickelt. Die Drangsale der Juden entstehen nicht daher, dass letztere ״den Glauben an ihren welthistorischen Beruf u. 8. w." verloren haben, sondern sie beweisen vielmehr, dass das Christenthum noch weit entfernt ist, seinen welthistorischen Beruf zu begreifen und zu verwirklichen. Die Geschichte der christlichen Völker bildet seit 18 Jahrhunderten eine Reihe der blutigsten Verfolgungen; erst-mit der allgemeinen humanistischen Bildung des sechszehnten und siebenzehnten Jahrhunderts nahmen die Bedrückungen Andersgläubiger ab, erst die philosophische Bildung des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts hat die Anerkennung des Rechts in der Menschheit wiederhergestellt. Hat sich da also, nach solchen unläugbaren Thatsachen, jenes Sehiboleth ״mein Reich ist nicht von dieser Welt," ״wer Gottes Willen thut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter,"' unter den •Nachfolgern und Nachahmern Christi wohl bewährt? — Die Drangsale der Juden, wie wir wiederholen müssen, sind daher nicht in dem Umstande zu suchen, dass das jüdische Volk ״das Beste des makkabäischen Glaubens verloren habe," sondern darin, dass die Bekenner des Christeiithums jenen Glauben ״die höchste sittliche Begeisterung für die Herrschaft des Rechts und der Wahrheit," noch nicht allenthalben gewonnen haben. Die Juden sind also darum noch nicht׳ frei, weil die Christen ihren Gott nicht freilassen, d; ln Gott noch nicht als liebenden Vater aller Menschen facti;sch anerkennen. Verstehet aber der Herr Verf. unter ״dr,angsalvolle Zeit" etwa moralische Drangsale, welche die Juden empfinden, weil ihnen der Glaube an .ihren welthistorischen Beruf abhanden gekommen sei, so ist er in grossem Irrthume. Gerade zu keiner Zeit inehr als in der heutigen ist das jüdische Volk von der innersten Ueb.erzeu.gung durchdrungen, dass die beiden Tochter־;