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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 2 · p. Seite 72

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1861-01-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 Recensionen und Anzeigen. land, die Dichter und Rhapsoden von den Sophisten (in ursprünglicliem, guten Sinne), die Propheten von den Schriftgelehrten (Sopherim) abgelöst. Hatte der Prophet sich immer nur an das Volk im Ganzen gewendet, so legte der Schriftgelehrte die ganze Last des Gesetzes auf die Schultern des Einzelnen. ״Hier wie auf heidnischer Seite ist dem Menschen eine neue Sphäre des Segens erschlossen; es bildet sich ihm gleichsam ein neues Organ, es wachsen ihm die Schwingen des Geistes (S. 37)." —- ״Während der Grieche sich aus dem Gottesbewusstsein hinaus philo sophirt, glaubt sich der Jude immer tiefer in seinen Gott ein (das.)." — Abfassung des Buches Koheleth und (nach dem Verf.) schon früher des Buches Hiob. Entwickelung der Lehre vom Jenseits bis zum Weltgerichte in dem, dem Anfange der makkabäischen Zeit angehörigen Buche Daniel. Die Fortführung und Verbreitung solcher Vorstellungen brachte die Therapeuten hervor. Ein Zweig derselben sind die Essäer (8. 42); mystische Verzuckung und Suchen nach einer neuen Welt. Die hebräische Sibylle. ״Ganz andere Stimmungen und Erwartungen," fährt der Verf. S. 48 fort, ״nehmen wir in dem makkabäischen Kreise wahr. Statt der philosophischen Gleiche gültigkeit, mit der sich die Essäer (wie der Verf. glaubt, aber wohl nur ein Theil derselben später in Alexandrien) über die äusseren Formen des Judenthums hinwegsetzten, herrschte hier ein glühender Eifer für den ganzen reich ausgebildeten Ritus, und-in dem unbedingten Festhalten an der Ueberlieferung der Väter fand man allein seine Rechtfertigung und den Grund zu unbedingter Hoffnung auf die Hilfe Gottes. Und eben diese, altehrwürdigen Gebräuche und Symbole,, die Bilder für das, was man.•hoffte, waren nun auf’s Schwerste verletzt, von den cyni- ־ scheu Angriffen einer Macht bedroht, der man nicht zum zehnten Theil gewachsen war." Musste so nach menschlicher Berechnung das jüdische Wesen seinem Untergänge entgegengehen, so war es andererseits die feste Zuversicht, dass Gott der Wahrhaftige nicht gelogen haben könne, die zum Siege führte in einem Kampfe, worin es sich um die Existenz handelte. Diese Lage der Dinge und die Zuversicht auf eine günstige Beend!- gung durch Gott wird im Buche Daniel apokalyptisch dargestellt. Das nur gedachte Buch ist nach dem Verf. (S. 45) ״der׳ erste Versuch einer Philosophie oder vielmehr einer Theologie

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