Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 18)
- Language
- German
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58 Lewi ben Gerson (Gersonicles) noch oft nur in sehr schwerfälliger Weise die aristotelisch-arabischen Philosöpheme wiedergibt, hat sich in nicht viel über hundert Jahren ein für dergleichen Themata durchaus gefügiges Hebräisch ausgebildet. Doch wenden wir uns von der Form zum Inhalte und zwar zum Inhalte derjenigen Werke, die von uns als religions-philosophische bezeichnet worden. Die religions-philosophischen Werke des Gersonides. Wenn wir zunächst das Verhältniss seines Hauptwerkes, des Milchamot, zu den Bibel-Commentarien in’s Auge fassen, deren Mittelpunkt wiederum der Pentateuch-Commentar bildet, so würden wir zwar den Sachverhalt nicht gerade falsch aussprechen, wenn wir sagten, der Milchamot enthalte seine Philosophie, die Commentarien die Ausgleichung dieser Philosophie mit der h. Schrift. Aber, abgesehen von den auch rein theologischen Fragen, שאלות דתיות , wie Gersonides sagt, die der Milchamot enthält, müssen wir auch so, da wir jedenfalls in unserer Zeit anders ausgleichen, uns noch bestimmter aus drücken. Wie schon für den Maimoniden nämlich, so noch ausgesprochener für den Gersoniden gibt es streng genommen kein profanes Wissen. Zweck des Menschen ist Erkenntniss, .und da alle Erkenntniss eine Einheit bildet, so ist jede (theoretische) Erkenntniss zweckhaft. Das wissenschaftliche Erkennen, als ein Streben zum Zwecke, ist daher die Erfüllung einer, oder genauer, der von der Religion an den Menschen gestellten Forderung. Von den Consequenzen dieser Ansicht heben wir hier nur diejenige hervor, die uns für unsere gegenwärtige Frage interessirt. Es lag nahe, an die heilige Schrift einen Anspruch zu stellen, den wir zu stellen keinesweges uns beikommen lassen. Es genügte nämlich nicht der Nachweis, dass man in seinem philosophischen Denken der Schrift nicht widerspreche, die Schrift selbst musste positiv philosophische Belehrung spenden. Und da ferner, was wir als mathematische, physikalische und sonstige Kunde von der philosophischen unterscheiden, in jener Zeit zur Philosophie gehörte, so gab es überhaupt