Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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als Religionsphilosoph. 45 ■fluss auf G-ersonides geübt. Zum mindesten muss Ibn- Esra genannt werden, der, wenn auch zunächst nur sein grammatisch-exegetischer Führer, doch nachweislich auch oft die Denkweise des Gersoniden bestimmt hat. Diese Denkweise Gersonides9 bliebe nun allerdings demjeiligen ein schwer zu lösendes Räthsel, der, abgesehen von der, versteht sich, zu berücksichtigenden Zeit, in der unser Philosoph schrieb, auch seine bereits erwähnte mehr zur Position als zur Negation geneigte Natur ausser Acht liesse. Vorurtheilsfrei im Aufsuchen der Wahrheit und rücksichtslos im Aussprechen derselben so gut wie Einer, bekennt er sich dennoch zur Astrologie, weil sie ihm in systematischer Geschlossenheit entgegentritt. Und selbst die Zauberei lässt er nur einstweilen bis zur Constatirung der Thatsachen auf sich beruhen6). In diesem Streben nach Aufsammlung von Thatsachen, um sie dann geistig zu durchdringen, lässt er überhaupt den echten Aristoteliker erkennen, und nur darin tlicilt er die Krankheit des Mittelalters, einmal, dass diese Thatsachen einseitig Natur thatsachen sind lind er noch nicht ahnt, dass die Ansammlung und Sichtung geschichtlicher Thatsachen dem Philosophen eine nicht minder ergiebige Materie zum Erkennen der Wahrheit bieten, dann dass häufig das Gesetz nicht aus den Thatsachen resultirt, sondern um gekehrt die Thatsachen einem für unfehlbar gehaltenen ph ilosophischen Gesetze angepasst werden. Gersonides ist übrigens so kenntnissreich, als man in seiner Zeit sein konnte, und wenn wir ihn als Theologen, Philosophen, Astronomen, Naturforscher und Arzt bezeichneu, so haben wir die Berechtigung dazu nicht■ etwa blas in panegyrisch gehaltenen Nachrichten zu suchen, sonäern sind durch •seine in seinen Werken dargelegten gl anzenden Kenntnisse auf den bezeichneten Gebieten dazu ermächtigt. Was seine Sprachenkunde betrifft, so ist ihm 6) Commentar zum Pentateuch (וארא) ed. Yen. S. 58b. Rach dem. er geschwankt hat, oh er die Zauberei der -Egypti sehen Zauberer natürhcli oder übernatürlich erklären solle, fügt er hinzu: J/Yü וחנה לא לנו עד היום טהור! וה הכשוף וענינו.