Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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als Religionsphilosoph. 43 lige Schrift sich zu verbreiten, ist nun freilich auch von Gersonides befolgt .worden, aber bei ihm ist dieser Gebrauch nur ein Mittel zu grösserer Deutlichkeit geworden,.■keinesweges aber ein Hinderniss, die innige Be־ ziehung beider Materien auf einander und ihre bedeutsame Zusammengehörigkeit erkennen zu lassen. Wie dem aber auch immer sei, so viel steht fest, dass Gersonides der Erste nach Maimoni ist, der im umfassendsten Sinne des Wortes den Namen eines jüdischen Religionsphilosophen verdient. . Er tritt mit der Absicht auf, sowohl für sich als auch für seine Zeit dasselbe zu leisten, was Maimoni für die ■seinige zu Stande gebracht. Und wie er einerseits den Fortschritt, den die Arabisch-Aristotelische Philosophie aufweist, seitdem Maimoni mit ihr sich beschäftigt hatte,’ vollkommen zu würdigen versteht, ja zum Tlieil selbst repräsentirt, so unterzieht er sich auch andererseits mit Rüstigkeit dem Geschäft, von diesem fortgeschrittenen Standpunkte aus nicht etwa die Religion obenhin zu betrachten, sondern das Kleinste wie das Grösste an ihr sich zu erklären. Die Rücksichtslosigkeit, mit der Lewi ben Gerson seine Ansichten aussprach,, hat ihm später den herben Tadel selbst solcher Männer zugezogen, die seiner Bedeutung die volle Anerkennung nicht versagten. Aber Gersonides’ Rücksichtslosigkeit hatte einen geäiegeneu Grund und Boden. .Die tiefste Ueberzeugung, ganz und gar im Glauben seiner Väter zu stehen, gab ihm den Math, auf Fragen, die nur von der Spekulation erreicht werden, eine andere als die gangbare Antwort zu geben. Lewi ben Gerson war nämlich nichts weniger als ein zur Skepsis geneigter Geist. 111.1 Gegentheil! Will man das 6harakteristische seines Wesens aussprechen, so muss man ihn als einen der positivsten Geister bezeichnen. Er hat für das Läu'gnen kein Organ. Er will — das ist die Haupt- Intention seines Forschens — erklären und nur erklären. Er ist — selbst mit allen Fehlern, die solchen Naturen eigen sind— eine durchaus philosophische Natur. Man wird in diesem Zuge eine gewisse Aehnlichkeit mit Maimoni nicht verkennen. In der Thafc verdient sein 4'