Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Bericht über die Arbeiten des Verwaltungsrathes der asiatischen Gesellschaft während des Jahres 1859-1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 10)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 463 der Nothwendigkeit, die neuen Herren Nüt der moralischen und intellectuellen Natur ihrer Unterthanen bekannt zu machen. Ich kann -seinen Gesichtspunkt nicht besser bezeichnen, als wenn ich eine ganz kurze Stelle aus einem seiner Werke, welches 1819 erschienen ist, citire, und ich thue dies mit um so größtem Vergnügen, als sie eine Denkweise ausdrückt, die den auffallendsten Gegensatz bietet zü der Nachlässigkeit, die England heut zu Tage in den orimtalischen Studien zeigt. Diese Stelle , welche an die indische Compagnie 'gerichtet ist, lautet folgendermaaßen: ״Es ist kaum nothwendig zu beweisen, daß die hindusche Bevölkerung dieses großen Reiches nur verstanden werden kann mittelst der Sanscritsprache, welche allein uns den Schlüssel zu ihren Handlungs- und Empfindungsweisen, zu ihren Vorurtheilen und Jrrthümeru gibt und uns ihre Fehler und Eigenschaften richtig auffassen lehrt. Ohne diese Kenntniß werden^ wie wir bereits gesehen , die vollkommensten Abfichten und die weisesten Pläne, dieselbe besser und glücklicher zu machen, nur zu Tau-- schungen führen, und selbst, wenn fie mit einem glücklichen Erfolge endigen, so geschieht dies erst nach bedauerlichen Opfern an Zeit und Anstrengungen / weil ein lobenswerther aber schlecht geleiteter Eifer auf eine Opposition von Seilen des Volkes stößt, die aus schlecht angebrachtem Mißtrauen und abgeschmackten Befürchtungen entstariden ist."׳ * Er ist nicht der Erste gewesen , der diese Idee aussprach; "seit Warren Hastings sind in Indien eine Reihe großer Männer gewe> sen, die diese Ueberzeuguug getheilt haben Einige, wie Colebrooke, haben durch ihr ganzes Leben an der Realisirung derselben gearbei- *et; aber cs ist keine geringe Ehre, der Fortsetzer und Nachfolger Colebrookc's gewesen zu sein, und Wilson ist es gewesen und zwar unter unendlich weniger günstigen Umständen als Colebrooke. Die orientalischen Wissenschaften fingen an weniger beliebt zu werden, das Studium der Sprachen und der Geschichte Indiens wurde we- Niger gefördert, abstracto Verwaltungsgrundsätze nahmen immer mehr die Stelle der früher beobachteten historischen Principien ein; und da die literarischen Aufmunterungen sich verminderten, wurde das Collegium ׳ Fort William aufgegeben und die Wichtigkeit der orientalischen Sprachen stufenweise bis zu dem Grade verringert, daß heute einem Bewer- "her für den indische»» Civildienst die KenNtniß des Italienischen eben so hoch angerechnet wird als die Kenntniß des Sanscrit oder des Arabischen. Endlich shat die indische Compagnie selbst erliegen müssen, und eine neue Aera beginnt für die englische Herrschaft im 35*