Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Bericht über die Arbeiten des Verwaltungsrathes der asiatischen Gesellschaft während des Jahres 1859-1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 6)
- Language
- German
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459 Wissenschaftliche: Aufsätze. U entgegensetzen. Auf jeden Fall war das Unternehmen sehr schön, und Herr Wilson h.at allen möglichen Eifer daraus verwendet. Er selbst fand ,ln der Berührung׳ mit den gelehrtesten Brahmineu Indiens einen neuen Stachel für seine Arbeiten, und seinem Aufenthalte in-Benares verdanken wir ein Werk, welches vor Allem geeignet war, dem gebildeten Europa Interesse für die Sanscritliteratur einzuflößen. Sir W. Jones hatte die Welt mit dem Drama Sakontala bekannt gemacht, welches in Europa mit einer wohivcrdienten Spannung und Bewunderung ausgenommen wurde. Bis dahin hatte man nur zwei vollkommen originelle dramatische Literatnren gekannt, nämlich die der Griechen und die der Chinesen. Alle andern leiteten sich von diesen her; aber die Entdeckung der Sakontala erweiterte plötzlich den! literarischen Horizont, indem es durch ein Probestück von vollkommner Schönheit eine dritte ganz selbstständige und nationale dramatische Literatur hervorblicken ließ! Jndeß blieb die Entdeckung lange isolirt und man konnte glauben, daß wir in Sakontala vielmehr den originellen Versuch, eines großen Dichters als das Produkt einer großen Schule besäßen. Die nachherige Veröffentlichung eines ganz metaphysischen Dramas war nicht geeignet,- größeren Hoffnungen Raum zu geben: da erschien im Jahre 1827 das hindusche Theater von Wilson, welches die vollständige Uebcrsetzung von 4 Dramen, die mehr oder weniger in's Einzelne gehende Analyse von 20 andern und eine vortreffliche Einleitung über das. ganze dramatische System der Hindus enthielt. Von diesem Augenblicke an hat das Sanscrit-Drama seinen Platz in der Weltliteratur eingenommen. Man hat seitdem den Text einer Menge dieser Dramen veröffentlicht, man übersetzte einige von denen, die Wilson nur zergliedert hatte/ man hat, wie ich glaube, einige, die seinen Nachforschungen entgangen waren, wieder aufgefunden und wird wahrscheinlich noch andere finden. Dies sind Vervollkommnungen, die ein originales Werk immer vervollständigen werden und dessen Bedeutung nur. vergrößern. Bald darauf veröffentlichte er einige weitläufige Aussätze über gleichfalls neue und wichtige Gegenstände: einen über die hinduschen Secten, einen anderen über die Chronik von Kaschmir, die man lange vergebens gesucht hatte und von der er die erste Auseinan- Versetzung gab. Unsere Gesellschaft hat diese Arbeit durch die Uebcrsetzung, welche Herr Troyer für uns veröffentlicht hat, vervvllständigt. Im Jahre 1832 verließ Wilson Indien, um die Sanscrit- Professur, die kürzlich in Oxford eingerichtet war. anzunehmen, und