Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Bericht über die Arbeiten des Verwaltungsrathes der asiatischen Gesellschaft während des Jahres 1859-1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 4)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 457 treibung waren, zumal in damaliger Zeit, werthvolle Eigenschaften für Studien, bei welchen der gänzliche Mangel an irgend einer ge. nauen Chronologie und das Beanspruchen eines Alters, welches man beliebig hinausschieben konnte, abenteuerliche Gelehrte zu Theorieen geführt hatten, die den Geist mehr ergötzten, als daß sie ihn befriedigen konnten, so daß die Einschränkung durch eine vielleicht zu viel verlangende Kritik weit mehr nützlich geworden, als eine übertriebene Strenge zu fürchten war. Wilson hatte von Natur keinen Geschmack für das Alterthum, und die Nachforschungen über die Probleme der Urgeschichte haben ihm nie zugesagt; die indische Philosophie, welche für einige metaphysische Geister, mit denen er in Berührung kam, wie für Haughton, einen so großen Reiz hatte, zog ihn nicht an; der Theil der Sanskritliteratur, der ihm ein wahrhaftes Vergnügen bereitete und den er seiner selbst wegen studirte, war die anmuthige Poesie der Epoche des Kalidasa. Aber er wollte sich nicht aus 'ein Lieblingsstudium beschränken, er war entschlossen, Indien kennen zu lernen, und er hat sein Wort gehalten mit einer Entschlossenheit, die ihn nie verlassen und ihm die verschiedensten und trockensten Arbeiten leicht gemacht hat. Nach einem fünfjährigen -Aufenthalte sah er sich in den Stand gesetzt, dem Publikum die erste Frucht seiner Studien zu unterbreiten, indem׳ er den Text -und die Ueberfttzung des Meghaduta im Jahre 1813 veröffentlichte. Aber er Hatte durch eine mühsame Erfahrung gelernt, wie sehr die Mittel׳ zur Erlangung einer gründlichen Kenntniß des Sanskrit noch unvollkommen waren und welchen Zeitverlust der Mangel eines Wörterbuches bewirkt. Man besaß nur den Amara Cosha, herausgegeben von Colebrooke, eine außerordentlich genaue Arbeit, aber als Wörterbuch zu unvollständig und zum Gebrauche nicht bequem genug. Einige Jahre vorher hatte Lord Wellesley, um diefern dringend gewordenen Bedürfnisse abzuhelfen, die am Collegium Fort William angestellten Brahminen mit der Zusammenstellung aller einheimischen Sanskritwörter in alphabetischer Ordnung beauftragt, welchen er eine bengalische Uebersetzung hinzufügte, und diese Sammlung war in 4 Foliobänden kurze Zeit vor Wilson's Ankunft in Kalkutta vollendet worden. Colebrooke übergab ihm ein Exemplar und Wilson übersetzte es zu seinem persönlichen Gebrauche in's Englische; aber als er es wieder durchsehen wollte in Betreff der ursprünglichen Wörter, bemerkte er. wie sehr die Arbeit der Brahminen ungenau, unvollkommen und ungleich war, Er entschloß