Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Bericht über die Arbeiten des Verwaltungsrathes der asiatischen Gesellschaft während des Jahres 1859-1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 3)
- Language
- German
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450 Wissenschaftliche Aussätze. ־ schen Gesellschaft zu London, Bibliothekar der indischen Compagnie und Professor des Oanskrit zu London. Ich habe Herrn Wilson, genau gekannt, aber ich habe nur wenig von seinem Leben zu sagm, das in einem ununterbrochenen Wohlsein verstrichen ist, und dieses verdankt er seinem sich immer gleich bleibenden Charakter und einer ruhigen aber unablässigen Thätigkeit. Er wurde geboren im Jahre 1787, studirt« Mcdicin und Chemie, und trat 1808 als Arzt in den Dienst der indischen Compagnie. Seine wissenschastlichm Kenntnisse und seine eigenthümliche Leichtigkeit, seine Talente auf jeden Gegenstand, der sich ihm darbot, anzuwendm, bewirkten, daß er in Kalkutta blieb, wo er an der Münze angestellt wurde, der er später als Direktor Vorstand. Ich wüßte kein anderes öffentliches Amt, das so geeignet wäre, alle Fähigkeiten des Menscheu darzulegen, als eine Anstellung in der indischen Compagnie besonders zu der Zeit, als Wilson eintrat. Der Anblick der alten Civilisation, welche er vor Augen hatte, und die, sogar in ihrem Verfalle, noch in Erstaunen setzt; das Gefühl einer neuen Macht, der Nichts umnöglich schien, die Größe der Interessen welche jedem Europäer anvcrtraut waren, und die Verantwortlichkeit, die er auf sich nehmen mußte; die verschwenderischen Ermunterungen Lord Wellesley's und seiner ersten Nachfolger an den orientalischen Studien, und die herrliche Laufbahn, welche den Erfolg belohnte; der Reiz des Unbekannten, welches den Forschungen unbegrenzte Resultate versprach; endlich di« lebhafte und intelligente Neugierde des Publikums in Europa und Indien, alles Dieses mußte das enthüllen, was der Geist und Charakter an Eigenschaften und Kräften besaß/und selbst die Neugierde der Gleichgültigsten erregen. Sehen wir ja, daß nicht um Männer mit einer feurigen Einbildungskraft und einer poetischen. Natur, wie Sir W> Jones, Leyden, Prinsep oder Elliot von einer Arbeitsglut entflammt wurden, der sic vor der Zeit unterlagen, sondern daß auch die ruhigsten Männer wie Wiikins, Marsden, Eolebrooke und Wilson unwiderstehlich nach der orientalischen Welt hingezogen wurden. Wilson erkannte gleich bei seiner Ankunft die Wichtigkeit des Sanskritstudiums und widmete demselben alle freien Augenblicke, die er finden konnte, Er war ganz Schotte an Geist, kalt, positiv, der vor Allem das Bedürfniß hatte, klar zu sehen, daher zum Zweifei geneigt war, aber unter dem ruhigsten Aeußern eine poetische Ader verbarg, die man bei ihm nicht vermuthete. Dieses ruhige Temperament und ein außerordentliches Mißtrauen gegen jede Ueber-