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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 10 · p. Seite 389

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 10
Article
[Rezension] / J. P.
Date
1860-01-01
Page
Seite 389 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Recensionen und Anzeigen. 389 gelehrter Weise verrottete Vorurthcile wiederzukauen und ihren I» denhaß oder besser gesagt Judenfurcht, ungescheut öffentlich aus;»-' sprechen oder unter dem Deckmantel christlicher Liebe zu verschleiern. Die Berliner theologische Facultät glaubt, daß es nicht gleichgiltig sein könne, ob Jemand die mathematischen Wissenschaften im Geist« eines Newton oder jenes berühmten Mathematikers lehre, der bei Erforschung der Gesetze des Weltgebäudes der Hypothese einer ordnenden Gottheit nie bedurft zu haben erklärte. Ein jüdischer Docent könnt« aus dem ihm als Juden zukommenden Rechte folgern seine Vorlesungen auch am Sonntage halten zu dürfen! Stahl in' seiner liebevollen Fürsorge für die jüdischen Docenten argumentirt, daß ihrer Diguität als Lehrer Eintrag geschehe, wenn sie. die zukünftigen Diener des Staates für das Amt bilden sollen, selbst rechtsich nicht die Fähigkeit haben, Staatsdienste zu bekleiden. Sein Gesinnungsgenosse und College Richter, der sich nicht scheut, in einem dem Minister vorzulegenden Schriftstücke den Witz zu reißen, daß die Jude» das Wechselrecht wohl und vielleicht besser als die christlichen Professoren lesen könnten, wünscht dennoch deren Ausschließung, weil sich bloß Reform-Juden zur Professur drängen möchten und «s gefährlich wäre, diese widerwärtigste aller liberalen Fractionen auf den Kathedern heimisch zu machen. Purkinje, der das Judenthum von anthropologischer, internationaler, religiöser, socialer und nach mehreren anderen Seiten betrachtet, will von einer eigentlichen Cmancipation der Juden durchaus Nichts wissen, ״da sie in vieler Hinsicht freier sind als die Massen unserer Völker selbst,, ja wir zum Thei! selbst in ihrer Gewalt sind. Es sieht daher ziemlich sonderbar aus, daß sie, die Stürmenden, unser Mitleid zu erregen suchen, um ungehindert alle unsere festen Stellungen einzunchmen, daß sie, die nicht geladenen Gäste, sich bei uns zum vollen Tische setzen und die Kinder des Hauses an den letzten Ort drängen oder gar vertreiben." Und so gehen diese Litaneien mit verschiedenen Variationeu fort, mehr Mitleid als Verachtung und Unwillen erregend. Zumeist sind sie Producte von Männern, die sich literarisch überlebt haben, die die Zeit gerichtet und — verurtheilt hat. Dahingegen ist es selbstverständlich, daß diejenigen, welche das Jahrhundert als Zierden der Wissenschaft und Charaktere zugleich ehrt, ׳sich bei der Bcurtheilung der Judenfrage von den Principien der weitesten Humanität leiten ließen. Die Breslauer evangelische Facultät. die philosophischen Facultätcn zu Breslau und Bonn, Männer, wie Humboldt, Heffter, Bernstein, Göppert, Welcker, Dahlmann, Rit*

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