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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 10 · p. Seite 388

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 10
Article
[Rezension] / J. P.
Date
1860-01-01
Page
Seite 388 (sequence 2)
Language
German
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888 Recensitmcn und Anzeigen. lung der im Jahre 1847 von dem damaligen Minister Eichhorn eingeforderten Gutachten bildet den umfangreichsten und interessantesten Theil des Buches, dessen Titel uns bloß etwas zu weit scheint. Es ist hier weite Gelegenheit geboten, zu beobachten, wie sehr unsere hochgepriesene Zeit in gewissen Dingen nicht über die Anschauungen der vorigen Jahrhunderte hinausgekommen ist, ja nicht einmal dieselbe erreicht. Wie der Veteran deutscher Philologie, August Boeckh, erzählt, hatte schon der große Kurfürst die Absicht, eine Universität aller Völker, Wissenschaften und Künste zu gründen, in der nach den eigenen Worten der Stiftungsurkunde Me, ״welche durch ihre Gottesverehruug und Religio nsgebrauche ins Gedränge gebracht, welche einer harten Herrschaft überdrüssig, freiheitsliebend, durch Ostracismns aus ihrem Vakerlande versagt, .... alle guten und ehrenhaften Männer, von welchem Volke und anständiger Beschäftigung und Glauben sie seien, einen Parnaß, ... . der Gewissen und aller Dinge anständige Freiheit׳, die Wonne der gebildeteren und über den großen Hausen hinaus einsichtigen Menschheit finden sollten. . . . Auch wenn ausgezeichnete Hebräer, Araber und andere der Ungläubigen ihren Sitz in dieser Universität aussch lägen wollen, soll ihnen dieß unter Nachsuchung besonderer Erlaubniß yerstattet sein, jedoch mit dem Versprechen, daß sie ihre Jrrthümer für sich behalten und nicht zu verbreiten suchen und ein anständiges Leben führen werden, ohne Aergerniß zu geben" 1). Und am Schluffe der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, im I. 1847, verlangt ein Cultusminister desselben Staates von Len Vertretern der Hochschulen deren einzelne Vota über die Zulassung der Juden zu mcdicinischen, linguistischen und anderen von einer bestimmten Religionsanschauung ganz unabhängigen Professuren, mit der gewissen Voraussetzung, daß die Mehrzahl dieser Vota verneinend ausfallen werden. Und der Herr Minister hat sich leider! nicht ganz getäuscht. Eine große Anzahl der gelehrten Herren, die es sich wol nicht träumen ließen, daß ihre vertraulichen Mittheilungen so bald in die Oeffentlichkeit gelangen werden, hat die Gelegenheit benutzt, in gelehrter und un- 1) Vgl. August Voeckh's Reden, gehalten aus der Universität und in der .Akademie zu, Berlin, herausgegeLm von Ferdinand Ascherson, Leipzig 1859, im zweiten Bände von Ang. Boeckh's ,. kleine Schriften" und ,Magazin f. d. Lit. d. Ausl. 1860/ @. 491.

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