Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 18)
- Language
- German
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356 Wissenschaftliche Aufsätze. dem Einflüsse talmudischer Satzung. Die Beobachtung der sieben Hochzeitstage ist mit strengster Consequenz durchgeführt. Für jeden einzelnen dieser Tage sind besondere Vorschriften und Carmina cm* gegeben. Frauengesang, Musik und Wachsfackelu spielen dabei eine große Rolle. Ais eineigenthümlicher Gebrauch erscheint, daß der Braut, nachdem sie in der Nacht auf einen Montag aus dem Bade unter Paukenbeglcitung ins Hochzeitshans geführt wird, daselbst die zehn Gebote in der Gesetzesrolle aufgeschlagcn werden, die sie ehrfurchtsvoll küßt, während der Rabbiner einen aus biblischen Syrüchen zusammengesetzten Segen über sie spricht. Am Dienstag versammeln sich die Gäste im Hochzeitshause, der Bräutigam legt Gold und Silber in ein Gesäß, das zum Feuer gestellt wird, um den Inhalt zu einer Masse zu schmelzen. Während Greise die Masse untersuchen, ergehen sich die Frauen im Gesang. Der Bräutigam und seine Paranymphen schmücken sich festlich und begeben sich zu einer Mahlzeit, während welcher verschiedene Carmina abgesuntzen werden. Am Abende desselben Tages wird der in weiße Festkleider gehüllte Bräutigam mit seinen ähnlich geschmückten Paranymphrn unter Paukenschall in die Synagoge geführt und von da unter Vorantragung von vier Wachsfackeln von der ganzen Gemeinde in das Haus der Braut zurückbegleitet. Unterwegs werden verschiedene Lieder abgesungen. Im Hochzeilshause angelangt, wird die Braut zu einem besonderen Sitze geführt und mit einem dichten Schleier > verhüllt. Ihr gegenüber nimmt der Bräutigam seinen Platz ein, einen gefüllten Weinbecher in der Hand haltend, an welchen durch eine Schnur der Trauring befestigt ist. Hierauf, beginnt ein Rccitativ zwischen Bräutigam und Gemeinde, mit dessen Beendigung der Bräutigan! die Trauungsformei 2) spricht und der Braut den Trauring an den Finger steckt. Der Rabbine verliest die Kethuba und katechestrt den Bräutigam in Fragen und Antworten über die ehelichen Pflichten 3). ׳ Der Bräutigam unterschreibt mit zwei Zeu- 2) Sie lautet: מארסת לי ומקדשת לי אנר, בתולתא כלהא פלונית בת כבוד רבי פלוני יציץ דילי אנא פלוני בת כבוד רבי פלוני יצ״י בכסא דמשתיא ד,דין ובנספא תדין־ ובכל מאי דאית ביה דתעלין בית לרשותי באגפי סר,די ורבנן כדת טשה וישראל. 3) Rabbiner: טפי קדוש ומקדש טפי הגכזרה דת שהעידה בפיני שארה כסוחה ועונתה לא יגרע. Bräutigam: שארה כסותה ועונתה לא אגרע. Rabbiner: קבלת? Bräutigam: קבלתי. Rabbiner: קנין שמים ואדץ? Bräutigam : קנין שטים וארץ. Gemeinde:,בחף מקדש ישראל,