Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 16)
- Language
- German
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354׳ Wissenschaftliche Aufsätze. der Bräutigam manche liturgische Vorrechte und galt noch immer als der Held des Tages. Der Ursprung dieser Sitte wird in den rabbinifchen Quellen in folgender Weise beschrieben: König Salomo ließ beim Baue des Tempels zwei Stätten der Mildthätigkeit, zwei Thore anbringen, deren eines, das Bräutigamsthor, das andere das Trauerthor benannt war. An Sonnabenden versammelte, sich das Volk vor diesen Thoren und wartete aus die Durchziehenden. Dem durch das Bräutigamsthor Herankommenden riefen sie zu: ״Der Gott, der in diesem Hause thront, erfreue Dich mit Söhnen und Töchtern!" Durch das andere Thor naheten sich zunächst die Trauernden, denen der Zuruf galt: ״Der Eigner dieses Hauses tröste Euch!" und dann die ׳mit Bann Belegten, die sie mit den Worten anrcdcten: ״Der Herr erweiche Euer Herz zur Nachgiebigkeit, damit sich die Gemeinde Euch wieder anschließe!״ — Nach der Zerstörung des Tempels verordncten die Rabbinen, daß jeder Bräutigam und Trauernde am Sonnabend die Synagoge oder das Lehrhaus besuche, damit das zahlreich versammelte Volk Gelegenheit habe, sich mit dem einen zu freuen und den anderen zu trösten (M. Soferim XIX, 12; Pirke di R. Elieser o. 17). So weit in Kürze von den Hochzeitsgebräuchen der Zeit, für welche die Talmude und Midraschim als Quellen zu betrachten sind Schon hier ist bei aller Originalität Las Eindringen fremder Elemente, der Einfluß der umgebenden Völler unverkennbar. Dieselbe Erfahrung — und wol noch in reicherem Maße — wird sich dem - Archäologen beim Studium der Hochzeitsgebräuche der späteren Jahr-» Hunderte bis auf unsere Zeit herab von selbst aufdrängen. Wir haben schon oben bemerkt, daß die spanischen und französischeu Juden bei ihren Hochzeiten Turniere, die sicilischen und arabischen Fackelzüge veranstalteten und wir werden in der folgenden Darstellung nach mancher Sitte begegnen, die nicht auf rein jüdischen Boden erwachsen ist und zuweilen, nachdem sie sich schon im Volke Sanction verschafft hätte, von einem oder dem anderen der Rabbinen als fremder Eindringling aus dem Cultus eliminirt werden mußte. * Wir beginnen in der Schilderung der Hochzeit -bei den spätereu Juden mit einem Lande, über dessen jüdische Bewohner trotz jhrer frühen Ansiedelung daselbst nur ziemlich dürftige Notizen dem Forscher zu Gebote stehen — mit Vorder-Jndi en. Seit dem Schluffe des fünften Jahrhunderts hatten sich zahlreiche Juden, ver- -anlaßt durch die Verfolgungen des Perserkönigs Firuz daselbst auf