Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 10)
- Language
- German
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848 Wissenschaftliche Aufsätze. Mittelalter bestand noch die Sitte, Weizen oder Gerste entweder im Hochzeitshause umherzustreuen (Tosaph. Berach. 50V 8. y. חלא בימות ג (הגשמים) oder wie es auch die alten Parsen bei ihren Trauungen thaten?), das junge Ehepaar damit zu bewerfen (R. Jona zu Alfast Berach. P. VII, ed. Sulzb. p. 4iv; מה״ריל ח' נשואין). Die Bewohner von Tur Malka pflegten aus demselben Grunde den ׳Brautleuten ein Hühnerpaar vorzuführen. Die Betarenser gingen noch weiter: sie pflanzten nämlich bei der Geburt jedes Knaben eine Leder, bei der Geburt jedes Mädchens eine Akazie (תורניתא) und wenn die jungen Leute sich in der Folge heiratheten, so wurden die beiden Bäume gefällt, um aus dem Holze das Brautgemach herzurichten (Gittin 57a). Don einer eigentlich p riesterlichen Einsegnung an geweihten Orten findet sich in den älteren rabbinischen Schriften Nichts verzeichnet; die erste Spur-einer solchen glaube ich in einer beiläufigen Bemerkung der unter der Herrschaft des Islam entstandenen (שי׳ ת רשב״א IV, 205 — 206) hat die Leseart אפיתא, was soviel als Myrthentopf bedeutet. Die Myrthe spielt überhaupt bei verschiedenen Gebräuchen eine Rolle. Bei der Hochzeit würde ein eigenthümliches Spiel mit Myrthenstengeln aufgeführt, die unter Musikbegleitung'in das Hochzeitshaus gebracht wurden (Sabb. 110a und Raschi z. St.) und die Träger dieser Myrihenzweige waren nach Sachs' Ermittlung (Beitr. z. Sprachu. Alt. I. 82) die שושבינ-ן, juvQTrjcpoQoi. Auch den Sarg verstorbener Freunde pflegte man mit Myrthenreisern zu bekränzen (Beza 6a: ,י״ש שני לגבי בוח כחול שומריו רבנן אפילז למיגז?2יד גליניא ולמלגז ליד, אסא u. Raschi z. St.) I) Vgl. noch npn des R. Eleasar b. Jehuda aus Worms §. 353. In einigen Gegenden Deutschlands ist das Umherstreuen von Weizen und Gerste! noch jetzt üblich. 2:) Vgl. Avesta, die heiligen Schriften der Parsen von Dr. Friedrich Spiegel, zweiter Band, Einleitung p. XXXI, CXXIV. — Bei dieser Gelegentzeit will ich nicht unerwähnt lasten, daß die von den Rabbinen als besonders verdienstlich empfohlene Heirath unter Verwandten, speziell mit der Schwestertochter, auch bei den Parsen, dort freilich bis zu Graden, die bei uns für Blutschande gelten, geboten ist. SLrabo sagt von. den Magiern (UV. XV), rovToig dk aal fA7\rod(U üüvio^end’cu vepo/LutfTctt). Vgl. DayNa XIIIv 28: ״Ich preise die Heirath unter Verwandten, die reine...., die beste, größte, schönste, die ahurische, zarathustrische"; Vispered III, 18: ^,Die, welche in der Verwandschaft geheiraihel haben, verlangeich". Spiegel in der Note zu dieser Stelle (Avesta II, 11—12) hält hieß für ״eine Folge der Stammeseigenthürnlichkeiten Erans, welche bei ihrer strengen Sonderung den Familienstolz notbwendig im Gefolge haben mußten". Vgl. noch Vendidad VIII, 36. Die Parsen haben für die Heirath unter Verwandten den besonderen Namen: ^Oaötvohathä (Spiegel Avesta II Einl. p. XXVIII).