Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 9 · p. Seite 346

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 9
Article
Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit
Date
1860-01-01
Page
Seite 346 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829248-2829258-2857333--05663-2857368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

346: Wissenschaftliche Aufsätze.: allerlei Früchten gefülltes Faß an einen öffentlichen Ort, zerbrachen dasselbe und sprachen zu den Umstehenden: .,Israelitische Brüder! Unser Verwandter N. N. hat eine seiner unwürdige Frau geehelicht und der Gedanke ängstigt uns, daß sich seine Nachkoininenschast mit der unsrigen einst zu einer Familie vereinigen wird, so betrachtet denn diesen öffentlichen Akt als ein Zeichen für alle Zukunft, daß seine Nachkommen von den unsrigen ausgeschlossen find". Hierauf lasen die anwesenden Kinder die aus dem Fasse herausgefallene Früchte auf und sprachen im Chorus: ,,N. N. ist von seiner Familie ausgeschlossen!" (Kethub. 28 b; jer. Keth c. II, hat 10; jer. Kidd. c. I; Midr. Ruth 4. 7)2). Das Brautpaar erschien^ zur Hochzeit im feierlichsten Staate, geleitet von Paranymphen (13 4שד^בינים)> ^xmb der sich anschließenden Volksmenge. Kränze aus Rosen, Myrthen, Olivenzweigen und Schilf geflochten, Kopfzierrathen von Gold, Crystall und milefischer Seide (עטרות חתנים ,עטרות כלות) schmückten das Haupt der Glücklichen (jer. Sota c. IX Hai 15; 6. Sota 49 b; vgl. III Ware. 4, 8). Mancher Gesetzeslehrer ließ es sich nicht entgehen, seiner Tochter zur Hochzeit den Brautkranz mit eigenen Händen zu winden (Gittin 7a)."״ Um den vollen Strom der Freude einigermaßen zu dämmen, pflegte man in wehmüthiger Erinnerung an die Zerstörung Jerusalem's das Haupt des Bräutigams mit Asche zu bestreuen (אפר טקלר, B. Bath. 60b) oder wie es später in Spanien üblich-war, mit Oelzweigen zu bekränzen (עטרת זקנים zu א״ח סי' חק״ס)• Junge Mädchen gingen dem Brautpaare mit Fackeln entgegen (Matth. 25, 1; vgl, die face8 nuptiales der Röinet). Wie R. Nathan (Aruch 8. v. ל5ר) berichtet, bestand noch im Mittelalter bei den arabischen Juden die Sitte,-daß dem Hochzeitszuge eine Anzahl Stäbe vorangetragen wurde, an deren Spitze ein Gefäß mit brennbaren, während des Zuges in Brand gesetzten Stoffen angebracht war. In einem Erlasse Peter's II. von Sicilien (1338), der den Rundehauptleuten der Stadt untersagte, die Juden zu behindern, wenn sie in Aufzügen bei Hochzeitsfeierlichkeiten den Burgplatz (Eassero) pafsirten, heißt es auch: es 2) Beispiele von der sorgfältigen Wahl bei einer Eheschließung finden sich Kethub, 62 b, 3) Vgl. Targum zu II Sam. 15, 37 und Peschittho zu Nicht. 14, 11. 4) Diese Sitte hat sich bis auf den heutigen Tag bei den polnischen Juden erhalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.