Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 9 · p. Seite 342

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 9
Article
Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit
Date
1860-01-01
Page
Seite 342 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
80% known words query
IRI
…/2829132-2829248-2829258-2857333--05659-2857364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

342 Wissenschaftliche Aufsätze. Alle präfcntirten sich den Hochzeitscandidatcn nach der vortheilhastesten Seite: die mit äußeren Reizen Ausgestatteten wiesen auf ihre Schönheit hin. die vornehmen Geschlechtern Entstammenden priesen ihren Familienadel und dessen Einfluß auf die Reinheit der Ehe, die Stiefkinder der Natur endlich, denen äußere Reizmittel nicht zu Gebote standen, sprachen von der Vergänglichkeit körperlicher Vorzöge und dem dauernden Werthe der Sittlichkeit (jer. Taanith P. IV; bab. Taan. 26b, Slia). — Die Verlobung wurde durch ein Fa׳ milienmahl (0;ע«ודת ארוסין, Moöd Kat. 18b) 7 8) gefeiert, bei welchem oft ein großer Aufwand entfaltet wurdet). Die Gemächer waren prächtig erleuchtet, Ruhebetten waren ringsumher aufgeschlagen, zahlreiche Gäste gingen ein und aus, die Frauen faßen am Spinnrocken und riefen freudig im Chorus: die und die ist heute verlobt worden (Gittin 89a). Eine Vorfeier der Hochzeit scheint in der oft vorkommcnden פרטגמיא — nooydfum9) an gedeutet zu sein. Die deutschen Juden des Mittelalters begingen diese Vorfeier, genannt ״Spinnholz" an dem dem Hochzeitstage vorangehenden Sonnabend (מגן אברהם א״ח ה' ס׳ באב סי' תק״נא ס״א). Aus verschiedenen Andeutungen in den rabbinischen Schriften geht hervor, daß gewisse Tage als der Eheschließung besonders günstig angesehen wurden und daß man auch hie und da dem Bräutigam das Horoskop zu stellen pflegte7). Die spanischen Juden gaben nach griechifchem Vorbilde (Lobeck Aglaoph. p. 433) der Vollmondszeit den Vorzug in der Wahl des Hochzeitstages a). Auch mag es nicht un- 7) Semach c. VIII wird פעורת ארזהין der פעורת נשואין entgegengesetzt. 8) Pes. Rabb. c. 5: למה״ד למלך שקרש את בתו ועשר. לה קדישין גדולין ופר. Bei dieser Stelle und ähnlichen, die mit ...משל ל oder למה״ד beginnen, ist immer fraglich, ob aus echt jüdische Gebräuche angespielt wird. 9) Jer. Schebiith c. IV; jer. Demai c. IV; Lev. Rabba c. II: ואותן שבע שנים ד,ן ר,ן פדטגמיא של צדיקים לע״ל ופימנא דעביד פרטגמיא אפיל משתותא. — In Midr. Psalm 14, 7: משל לבן מלך שארם בת מלך וקבעו פרופטומיא ביום פלוני מי מענב פרופטגמיא.... ist ebenfalls פרטגמיא zu lesen. Menachem di Lonsano 8. v. משתיהן berichtet: ומנהג העולם ששטחין בתופת שני שבתות ולשני ולראשו ן קוורין ביוני פרטגמיא ואפשר הוא (spanisch: tornaboda) קורין בלעז טורנא בורא (talamo) הוקרא בלעז שבת די טאלאטו. Vgl. K. F. Herrmann, Lehrb. der griechischen Antiquitäten II, §. 48, 5; III, K. 31, 8 und Sachs' Beiträge z. Sprach- und Alt. I, 152. 1) Exod. Rabba c. 20: משל לאהד שנעשה לבתו של מלך שושבין והיה רואה במזל שהוא יוצא מבית אבית התחיל בונה ובר. ' 2) מה שנוהגין שאין »שאים נשים עד מלוי הלבנה באלו הארצות אינו נחוש אלא בשם שמושבין המלכים על המעיין רחמשוך מלכותו כך עושין במלוי ולא בחסרון כדרך שממשיבין יין בצנורות ואין בו משום דרבי :אמורי (ש״ות רט״בן סי׳ רפי׳ג).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.