Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Mosaisches Recht und Hindurecht
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
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324 Mosaisches Recht und Hindmecht. boren wurde und er die Veda besitzt, so ist er mit Recht das Haupt dieser ganzen Schöpfung. — Welches erschaffene Wesen kann ihn übertreffen? — Alles was sich im Weltall befindet ist in der That Gut des Braminen; denn er hat durch seine Erstgeburt und deren Erhabenheit ein Recht hieran"^. Darum stehet auch der Bramine über der eigentlichen Strenge des Gesetzes. Ein Bramme darf, wenn er auch aller möglichen Verbrechen übersührt worden ist, nicht mit Tode bestraft, er darf sogar nicht an seinem Körper beschädigt werden. Seine Bestrafung bestehet nur in Verbannung; auch darf fein Vermögen nicht eingezogen werden''). Dieses wird auch bei einern Verbrechen ausdrücklich vorgeschrieben, das des Brammen, des Vedalehrers und der Gottheit Erstgebornen, am meisten unwürdig: bei Begehung eines Ehebruchs 1). — Dem Braminen ist aber auch die Vollfühmng manchen Rechtsgesetzes erlassen. Der König hat ein Recht an der Hälfte von aufgefundenen verborgenen Schätzen und Metallen; hat aber ein gelehrter Branrine einen verborgenen Schatz gefunden, so kann er ihn ganz behalten, ״weil er Herr von Allem ist" 2). — Welchen Standpunkt nimmt hingegen der Sudra im Rechte ein? Er wird, wie weiter referirt werden wird, wegen mannigfachen Verletzungen bestraft, die an ihm aüsgeübt nicht als Verletzungen bestraft werden; genießt also nicht Gleichheit vor dem Rechte. Auch ist der Sudra sowohl von Erklärung des Gesetzes; als vom Richteramte ausgeschlossen; und läßt ihn ein König Rechtssachen entscheiden, so soll das Königreich in solche Roth gerathen, wie die Kuh in tiefem Schlamme (sich befindet)s). Wie verschieden nach beiden Richtungen das mos Recht sei, braucht nur durch einige Züge bezeichnet zu werden. Das Ge- 8) Menu!, 93. 95. 100. ״Ihn ließ das Wesen, welches durch sich selbst bestehet, aus seinem Munde hervorgehen, damit er nach vollbrachten heiligen Gebräuchen den Göttern gereinigte Butter darreiche und Reiskuchen den Erzeuger» des Menschengeschlechts, zur Erhaltung dieser Welt. Welches erschaffene Wesen also kann ihn ubertreffen, mit dessen Mund die Götter des Firmaments unaufhörlich gereinigte Butter schmausen und die Schatten der Ahnen geheiligte Kuchen?" Das. 94. 95. 9) Menu 8,380.. 381.!) Das. 879. 2) Das. 8, 37. 38. Der Dcamine soll anch nach §. 38 von jedem gefundenen Schatze die Hälfte bekommen. ' 3) Das. 8, 20, 21. '