Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Über Princip und Gebiet der Präsumtionen nach talmudischer Lehre
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 3)
- Language
- German
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300 Wissenschaftliche Aufsätze. Jetzt werden wir nicht mehr den Satz רוב עטי הארץ טעשרץ הם zu einer Folgerung und אין חבר מוציא מתוך ידו דבר שאינו מתוקן zu einer Mehrheit machen wollen. Beim הבר. dem gesetzeskundi« gen. frommen Manne, brauchen wir nicht erst nach anderen, ihm ähnlichen Männern zu fragen, um zu erfahren, ob auch dieser sein Getreide verzehntet habe. Kennten wir auch nur diesen einen הבר, ja gäbe es nur diesen הבר in der Welt, so würden wir aus der Natur, den Eigenschaften dieses Einen schließen, er ״gebe nichts aus seiner Hand, was nicht dem religiösen Gesetze gemäß verzehntet sei". Was ist es aber, das uns auch vom rohen Bauer erwarten läßt, er verzehnte sein Getreide? Etwa seine moralischen, religiösen Eigenschaften? Aber seine Rohheit, seine Unkunde des Gesetzes, seine Habgier lassen gerade auf das Gegentheil schließen. Nichts als die Erfahrung ist es, die uns lehrt, daß die meisten Idioten trotz dieser Gründe dennoch diesem Gesetze Nachkommen und die .uns darum erwarten ׳läßt, daß auch dieser es erfüllt habe. Nachdem so der Unterschied der חזקות טבה מברא gegen die Mehrheit hin sestgestellt worden ist, hat es keine Schwierigkeit mehr, sie von den anderen חזקות, zu denen der gleiche Name sie hinzuweisen scheint, abzusonderu. Mit nichts auch haben diese Sätze weniger Aehnlichkeit, als mit der ״Festhaltung eines früheren Zustandes oder Rechtsverhältnisses"; denn bei der Folgerung ist von keinem alten und keinem neuen Zustande, von keinem Fortbestehen und keiner Aufhebung die Rede. Es ist daher völlig sicher, daß der gleich« Name für zwei so grundverschiedene Präsumtionen nur der zweifachen Bedeutung des Wortes חזקה seine Entstehung verdankt. Es heißt nämlich l) ״Festsein, Begründetsein" eines Verhältnisses oder Zustandes gegenüber einem bloßen Zweifel an der Aufhebung, daher חזקת כשרות, חזקת הגוף, חזקת טהרה u. s. w. Daher auch ״Festsein" in der Gewalt eines Menschen, gleich ״Besitz", 2;חזקת מטון) aber ״Festsein", ״Jeststehen" im Verstände des Menschen, für sein Urtheil, also ״feste Annahme, Ueberzeugung, Folgerung"; z. B. חזקה אין אדם מורע'תוך זמנו. Eine ״feste Annahme" ist es, es ״steht fest", daß Niemand u. s. w. Aus der gegebenen Deduktion dieser Präsumtionsart folgt von selbst, daß sie als eine logische höher stehen müsse, als die vorhergehende b). Es ist jetzt ferner erklärlich, warum die meisten Präsumtionen dieser Art menschliche Verhältnisse betreffen, während die 8) Maimonid. Malweh Wloweh 14, 1; wonach auf eine npin dieser Art aus Vesitzveräuderung erkannt wird.