Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Über Princip und Gebiet der Präsumtionen nach talmudischer Lehre
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829248-2829257-2857275--05603-2857303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wissenschaftliche Aufsätze. 299 Unmöglich können wir den Unterschied darin suchen, daß etwa neben der Mehrheit immer noch eine wirkliche Minderheit existire, während hier nichts von einer Minderheit bekannt sei; denn bei sehr vielen חוקרת kommt unläugbar das Gcgentheil von dem, was sie aussagen vor. Wer möchte läugnen, daß das Gcgentheil von folgenden Sätzen z. B. vorkomme? חזקהא״א מתפייס במומין3); חזקה א״א פורע תוך ומגו4־); חזקה אין עדים הוחמץ אשמר אלא א" כ (5 געשה בגדול . Es kann auch eine חזקה מפח ספרא nicht ans einer bloßen ״allgemeinen Annahme" hervorgehen, während bei der Mehrheit Jedermann auch der Minderheit sich bewußt wäre. Denn erstlich ist dieser Unterschied ein sehr vager; zweitens giebt cs eine Menge חזקות, die durchaus nicht so allgemeine Geltung haben als manche Mehrheiten. Sicherlich sind die eben erwähnten weniger bekannt und weniger allgemein, als folgende Mehrheiten: (6רוב חולין לחיים, (7רוב קטנים לאו סריסים ניגהו. Gänzlich falsch wäre aber die entgegengesetzte Meinung, daß חוקה eine unbestimmte, vage Annahme sei, während bei der Präsumtion der Mehrheit diese Mehrheit immer fest bewiesen ist. Denn viele Mehrheiten lassen sich, wie oben erwiesen ist. gar nicht genau bestimmen, z. B. רוב עטי הארץ מעשרין הם, Auch wäre damit die Bestimmung des Talmuds, daß die חזקה eine stärkere Beweiskraft habe, als die Mehrheit, gerade auf den Kops gestellt. Alles aber erklärt sich aufs schönste, wenn wir den in der Voruntersuchung erörterten Begriff der ,,Folgerung" Liesen חזקות מפח סברא zu Grunde legen. Die Mehrheit spricht eine bloße Erfahrung aus. In den meisten Fällen geschieht etwas. Warum es geschehe, ist völlig unbekannt. Es ist darum auch der Schluß voll der Mehrheit auf das fragliche Rechtsfactum nicht verstandesmäßig. Niemand wird einen Grund angeben können, warum die meisten Idioten ihr Getreide verzehnten, oder warum, weil die meisten Idioten verzehnten, auch dieser Bestimmte verzehntet habe. Bei der Folgerung lehrt eine Betrachtung der Dinge, Personen und Verhältnisse, daß mit denselbeu ein gewisses Factum innig verbunden sei. Wir schließen daher auf verstandesmäßige Weise, baß gleiche Personen, Dinge und Verhältnisse dasselbe Factum erzeugen. 3) Ketubot 75 b. 4) Baba Batra 5a. 5) Ketubot 19 a, 6) Giltin 28 a. 7) Jebamot 119a.