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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 7 · p. Seite 270

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 7
Article
Über Princip und Gebiet der Präsumtionen nach talmudischer Lehre
Date
1860-01-01
Page
Seite 270 (sequence 20)
Language
German
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2t0 Wissenschaftliche Aufsätze find sie doch die unentbehrlichen Grundlagen des Lebens, also auch der Rechtswissenschaft^ Von ihnen aus erhebt sich aber das talmüdische Recht zu höheren Gestaltungen. Es ist nicht mehr äußerliche Wahr« scheinlichkeit, sondern verstandesmäßige Folgerung, welche die folgenden Präsumtionen begründet. Daß nun aber die unter dem Namen 9 חזקות מכח סברא) vorkommenden Präsumtionen identisch seien mit den Folgerungen aus der Natur der Dinge und Personen, kann nicht vorausgesetzt, sondern muß bewiesen werden. Dies kann nicht leichter geschehen, als indem wir uns die Unterschiede derselben von den andern Präsumtionen klar zu machen suchen, wodurch dann ihr tigentlichts Wesen von selbst sich ergeben wird. Unter חוקות מכח סברא versteht man jene kurzen, gewöhnlich mit dem Worte חוקת eingcleiteten *) Sätze, in denen der Talmud irgend eine Erfahrung, eine Wahrheit, eine allgemeine Annahme auszuspreche» scheint, z. B. חזקה אין האשה טעיוה סניה ספני בעלה die Frau lügt nicht dem Manne frech ins Gesichts; חוקה אין שכיר משהה שכרו der Tagelöhner läßt seinen Lohn nicht ansstehn * 1 2 3 4 5 6). Dies einleitende Wort, welches nie mit einem andern, etwa רוב, vertauscht wird, scheint diese Sätze als eine besondere Präsumtionsart kennzeichnen und sie von der Mehrheit scheiden zu wollen. Ihre Grenzen gegen die Mehrheit genau zu bestimmen,, erscheint auf den ersten Blick schwierig. Man' sieht nicht ein, warum man z. B. עמי הארץ טעשרין הס ^) eine Mehrheit und- ■"אץ חבר,מו8יא מתון 5ידו: דבר שאינו מתוקן■) eine Chasakq nennt. Oder warum רשב״ב die Präsumtion בהמות אינן חולבות אלא אס כן יולדות für eine bloße Mehrheit und darum für nicht beweisend, dagegen בניה כרובין אחריה בניה הס)) für eine Chasaka und darum für beweisend erklärt^). 9) Dieser Name wird ihnen allerdings nicht vom Talmud, sondern erst von Späteren beigelegt, z. B. von מהר״י מטראני in 0■ ב׳ חלק או־,״ע ב״ז, im בית חדי״ך!«׳; aber der Talmud unterscheidet sie von andern Präsumtionen durch den Name» חזקה und durch ihre höhere Geltung als alle anderen Präsumtionen. 1) Nicht immer wird ,חזקו diesen Sähen vorangestellt. So steht dies Wort z. B. bei dem Sähe: חזקה א״א טורח בסעודה ומפסידה Ketubot 10a, Kiduschin 45 b, nicht aber Jebamot 107 a. Ebenso steht חוקה א״א. חוטא ולא דיו mit dem einleitenden -חוקה: Schebuot 42 b, Kiduschin 03b, Erachin 23a; ohne dasselbe Baba Mezia 5b. 2) Ketubot 23 a. , ■ 3) Schebuot 44 b. 4) Schabbat 13 a. 5) Nidda 15 b. 6) Nach תום׳ חולץ י״א ע״ב.

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