Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über Princip und Gebiet der Präsumtionen nach talmudischer Lehre
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 14)
- Language
- German
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264 Wissenschaftliche Aufsätze? dessen Aufhebung 2) Nicht durch eine unbestimmte Ursache vost außen, welche darum unwahrscheinlich wäre, sondern in ihm und durch ihn MW bewirkt wird (כחץ המנוכה קא חזיא), der also sein Fortbestehen nicht wahrscheinlich macht, auch Nicht als sortdauernd präsumirt werden könne. Von selbst folgt aus dem Vorhergehenden, daß auch ein jetzt cxistircnder Zustand als schon früher vorhanden angenommen werden muH, wenn er die Gründe seines früheren Bestehens in sich trägt 3 4), eine Bestimmung, welche nach der Frankelschen DeductioN sehr schwierig wäre. Kann daher die Veränderung eines alten Zustand es nicht in diesem Augenblicke erst eingetreten sein, muß sie sich schon vor längerer Zeit ereignet haben, so wird die Fortdauer des alten Zustandes nicht mehr vermuthct (חזקה דליכא למימר השתא הוא דאיתרע, לא הוה חזקה•) Denn dieselbe Wahrscheinlichkeit, daß der alte Zustand fortbestehe, spricht für die jetzt vorliegende Aushebung, daß sie schon früher ein« getreten sei. So erklärt sich auch, warum ein Verhältniß, wenn es als sortdauernd präsnmirt werden soll, einmal wirklich existirt haben muß. Wird es erst aus irgend welchen Gründen hinterdrein gefolgert, so!iegt eine doppelte Ungewißheit vor. Erstens, ob der alte Zustand überhaupt je existirt habe, zweitens, ob er fortgedauert habe. Daher die Bestimmung^) חוקה שאינה מבוררת בשעתה לא אמריגן . Aus denselben Gründen wird nach einigen Rechtslehrern ein Zustand nicht präsumirt, welcher erst aus einer Mehrheit gefolgert wird. 5 חזקה ראחיא מכה רוב לא אמרינן). Auf einem wesentlich andern Grunde als die bisherigen BestiMMUngen, weiche aus der gegebenen Deduction von selbst folgen, ruht der Satz: 6כאן נמצא כאן היה), hier ist es gesunden worden, hier-Wat ds. Wenn nämlich in einem von zweien oder mehreren Oektlichkciten oder Zeiträumen eine Aenderung an einem Gegenstände, ein neues Verhältniß sich vorfindet , so darf man nicht vermnthen, daß in einer andern Oertlichkeit oder einem andern Zeitraume diese Veränderung geschehen sei; sondern es wird erstens präsumirt , daß sie in diesem Zeiträume, in dieser Oertlichkeit sich 3) Sgl. besonders מהרי׳ם וריב״גן, cii'itt in Bet David 1, 2. 4) Tofafot Chulin 11a; vgl. auch Pen chadasch 137, 2. 5) Vgl. Tosasot Nidda 2b, Bet David 1, 2 und 10, I. 6) Ketubot 75k, 76b und sonst.