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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 7 · p. Seite 263

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 7
Article
Über Princip und Gebiet der Präsumtionen nach talmudischer Lehre
Date
1860-01-01
Page
Seite 263 (sequence 13)
Language
German
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263 Wissenschaftliche Aufsätze. drängen? Kann 'man nicht mit vollem Rechte sagen. Jetzt ist die Aufhebung der Virgiuitat gewiß; in jedem srühern Moment ist das Vorhandensein derselben zweifelhaft, folglich^) ״da eine Gewißheit nur durch eine ihr gegenüb erstehende Gewißheit aufgehoben wer- , den kann", muß grade im Widerspruch mit der Entscheidung des Talmuds präsumirt werden, schon früher sei die Virginität nicht mehr vorhanden gewesen. Um den t. t. zu gebrauchen, חזקה דהשתא sollte nicht schlechter sein, als חזקה קמייחא und ,הרי מום הרי. טומאה לפניך u. dgl. sollte חוקת הגוף, חזקת טהרה u. dgl. völlig aufheben. Daß der Talmud dies nicht anerkennt, kann nur darin seinen Grund haben, daß der alte Zustand allerdings die Gründe für sein Fortbestehen an sich trägt, nicht aber der neue für sein Vorherbestehen. Der alte Zustand braucht nicht erst eingeführt zu werden ins Dasein, auch in jedem folgenden Momente nicht, wohl aber der neue. Wann dieser eingetreten ist. ist ungewiß, in׳ ihm liegen keine Gründe für sein früheres Bestehen, er erscheint' gleichsam als äens ex machina: man darf also in jedem Zeitmomente präsumiren, daß er noch nicht eingetreten sei, selbst wKn er später wirklich eingetreten ist. Mit dieser Erklärung ist eine andere Bestimmung des Talmuds ebenfalls klar. Es fragt sich, ob der Zustand der religiösen Reinheit (טהרה) durch Menstruation aufgehoben worden sei. Die?.Fest-- Haltung des alten Zustandes (חזקת טהרה) sollte es verneinen, der Talmud aber erklärt 1): -הלל-כי אמר העמד דבר על חזקתו, חיטא דלית,ליה ריעוחא מגופיה , אבל אתתא כיון המגופה קחזיא לא אטרינן אוקמה אחזקתה. Raschi erklärt 2), daß מגופה קחזיא bedeute : מועדת ועלולה היא לכך, (sie ist geneigt und gewohnt, die Veränderung zu bewirken). Also, weil der alte Zustand ein solcher ist, der gewöhn-' lich aufgehoben wird, kann er nicht präsumirt werden. Aber auch hier ist ja der alte Zustand gewiß, die Aufhebung desselben nur zweifelhaft. Warum soll denn nach Frankels Erklärung eine Gewißheit durch einen Zweifel aufgehoben werden? Ist aber der Grund dieses Festhaltens, daß der alte Zustand sein Fortbestehen wahrscheinlich mache, so ist es einleuchtend, daß ein Zustand, der l) leicht ausgehoben werden kann (חזקה העשויה להשתנות), 9) Frankel das. (Und hierin ist von selbst ausgesprochen, was der Vers, weiter sagt. D. R.l 1) Nidda 2a. 2) Das.

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