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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 7 · p. Seite 254

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 7
Article
Über Princip und Gebiet der Präsumtionen nach talmudischer Lehre
Date
1860-01-01
Page
Seite 254 (sequence 4)
Language
German
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254 Die der -sinnlichen Betrachtung nahe liegenden Präsuintionm: ,״Wehrheit" und ״Festhaltung des alten Zustandes", werden vorzugsweise ausgebildet; die tiefer liegenden, gedankenhaften sind nur den Änsängen nach entwickelt; viele Präsumtionen liegen noch eingehMt in den concretcn Fällen und bedürfen fetzt der klaren Fassung, der scharfen Formul icung 2 3); endlich sind die Grenzen und Wirkungen der Präsumtionen je nach den verschiedenen Rechrsgebieten noch nicht genau abgesteckt; Alles drängt zu einer abermaligen höheren Entwickelungsstufe hin, welche erreicht ist in der Präsnmtionslehre der Gemara. Die Präsumtionslehre der Gemara. A. Mehrheit ^). Das erste, was eine rationelle Theorie über di« Präsumtion der Mehrheit zu geben hat, ist, eine wie große Mehrheit erforderlieh fei, um eine Präsumtion zu begründen. Im römischen Recht ist hiervon keine Spur zu finden; denn mit der Mchtbeachtung der begrifflichen Unterschiede der Präsumtionen fallen natürlich auch die näheren Bestimmungen dieser begrifflichen Arten weg. Auch braucht der römische Richter, da er durchaus nach den im Gesetzbuche perzeichneten Präsumtionen zu urtheilen hat, die Grundlage derselben nicht zu kennen. Das jüdische Gesetz aber, daß dem Richter grö- Kere Freiheit zugesteht, muß ihn auch die Krade der WahpschMlichkeit;kennen lehren, auf welche ex, je nach den -verschiedenen Mechtsgcbieten, seine Entscheidungen gründet. Schon eine oberflächliche Betrachtung lehrt uns, daß die Mehrheit bei dem kleinsten Uebergewichte über die Minderheit eine wenn 2) So sagt z. B. die Mischna Tahar. III, 8: לרך ד,תינזק. לשפת , die Gemara spricht Kiduschin 80a die eigentliche Nechtsformel aus: .חב. תינוקות משפתימ; so liegt in der Mischna Baba Batra X, 3 der Gittin 18a,, 75b ausgesprochene Satz: לא מקדיס אינש פורענותא לנפשית nach Tosaf. Baba Batra 167 a, so in der Mischna Gittin V, 9 der von der Gemara das. 61 a ausgesprochene Satz: תב עמי לארץ .מעשרין לב; ein Berhältniß, das sehr häufig,ist. 3) Es kann hier nur die Rede sein von Fällen, in denen durch die Mehrheit.eine Wahrscheinlichkeit erzeugt wird, daß ein Object zu dieser Mehr- .heit gehöre; nicht aber von solchen, in denen blos., wegen des Borwiegens der Mehrheit über die Minderheit, präsumirt, oder besser fingfit wird, hie Minderheit sei vollkommen verschwunden, sei ansgegangeu in der Mehrheih: also nicht von ק בזע, אתחזק איפורא, בשל בחב, wohl aber von פריש. . ..

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