Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 3)
- Language
- German
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236 Recenfionen und Anzeigen. ״Haman" beigesellt, ״will keinen Juden verfolgen, hat es wieder« holt ausgesprochen, cs wäre eine himmelschreiende Sünde, den Inden an seinem Leben anzutasten und zu verfolgen" (S. 48).; ״ er hat dieses Alles nicht gesagt, um die einzelnen Juden zu be« schimpfen (S. 27)." Eiscnmenger's Entdecktes Judenthum und andere Schriften ähnlichen Inhalts hat er ganz inne; die bekannte Beurtheilung I. D. Michaelis' sowie die judensreundliche Aeußeruug des von ihm belobten Molitor hat er entweder nicht gekannt, oder nicht benutzt (S. 25. 26) 1). Zu seiner Rechtfertigung führt er an:!,Wenn ich eine lucrative Schriftstellerei treiben wollte, so ließe ich die Kirchenzeitung heute aufhören. Manz gibt mir für einen Jahrgang meiner Predigten 1060 fl. Da sitze ich zu Hause an meinem Tische, schreibe nach meiner Muße und habe mich mit Niemand zu ärgern" (S. 13). Bei Verlesung eines von der Kirchenzeitung gebrachten zügellosen Schmähartikels erklärt der verantwortliche Redacteur Herr Brunner: ״dieser'Artikel ist von einem Berliner Gelehrten" (S. 23), bei einem andern derartigen Artikel: ״Das ist auch von einem Berli« ner" (das.). Und wie lammesmild ist er und fromm. ״Der mich kennt sagt, daß ich ein guter Mensch bin, der Keinem einen Schaden anthun will; ich werde in vielen Sachen viel zu gut" (S. 36). Und wie schlau ist diese gutmuthige Frömmigkeit. ״Nachdem nun aber ein Strafausmaß damit verknüpft ist, so möge es das allermindeste sein, 5 oder 10 fl., denn ich will keinem Menschen einen Tag von dem kostbaren Sonnenlichte rauben. Ich will gar keine Leibesstrafe; ich könnte Herrn Kuranda mit keinem guten Gewissen auf der Gasse begegnen, wenn ich wüßte, daß er meinetwegen hat leiden müssen, und die paar Gulden find ihm kein Schaden; er ist im Verhältniß zu mir ein reicher Mann" (S. 36). Andere ergötzliche Nachweise, auf welcher Geistes- und Wissenschaftshöhe dieser Literat steht, hat der Vertheidiger des Herrn Kuranda, Dr. Berger, in seinem ausführlichen Plaidoyer (vgl. S. 46) geliefert; und Mau weiß in der That nicht, soll man mehr die Beschränktheit oder die Böswil- 1) Jost rangirt hier (S. 29) in bedauerlicher Weise neben Eisenmenger. Einem S. Brunner mußte eine Schilderung, wie sie Jost von den Chassidim gibt, willkommen sein. Ueber dem Wesen dieser Secte schwebt noch, wie bekönnt, ein tiefes Dunkel; und sollte Jost nochmals eine Geschichte der Juden schreiben, so wird er vielleicht Gelegenheit finden, Manches zmstckzunehmen, so wie er in seinem letzten Werke Vieles aus seiner früheren Geschichte der Juden widerrufen hat. — Die Chassidim aber überhaupt zur Grundlage von Schmähungen gegen Juden nehmen, ist dasselbe, wie von den Mormonen aus ein Urtheil über die Christen im Allgemeinen fällen.