Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 2)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 235 hierbei in anständiger Weise die fanatischen Gegengründe Brunner's widerlegt. Dieser ließ es nun an rohen Schmähartikeln nicht fehlen; und da sie sich in überstürzender Weise häuften, brachte die. O.-D. Post ,unter der Aufschrift ״Herr Sebastian Brunner" einen Artikel, in welchem das Treiben dieses Literaten (!) in 'seiner ganzen Erbärmlichkeit aufgedeckt und daß die ״Wiener Kirchenzcitung kein dringcnderes ' Geschäft habe als die Leidenschaft der christlichen Bevölkerung Oesterreichs zu dem wüthendstew Hasse gegen die Juden aufzustacheln '׳ in scharfen Worte» dargelcgt wurde. Herr Sebastian Brunner, der nach seinen Auslassungen zu den Auserwählten zählt, die das Gebot der Nächstenliebe dahin interpretiren ״Thue einem Andern was du willst, daß man dir nicht thue" und daher das Recht, den Nebenmenschen an Ehre und Leben zu kränken, ohne daß irgend eine Wiedervergeltung geübt werden darf, für sich in Anspruch nehmen, übergab dem Landesgerichte zu Wien eine Klageschrift, die zwölf Anklagepunkte wegen Ehrenverletzung gegen Kuranda, als Redactcur der O.-D. Post, enthielt; sechs Punkte wurden als grundlos vom Gericht zurückgewiesen, in den anderen sechs Punkten wurde Grund zur Anklage erkannt und sie kamen am 1V. Mai d. I. zu öffenrlicher Verhandlung, die die Eingangs gedachte Broschüre wiedergibt. An dieser Verhandlung bewährte sich abermals das Treffliche der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit! Es stand hier Mann dem Mann, Princip dem Princip gegenüber; frömmelnde gleißnerische Miene konnte nicht aushelfen, es mußte Tendenz und Ausgangspunkt scharf bezeichnet werden; konnte da das von Sebastian Brunner vertretene lichtscheue, den verwerflichsten Religionshaß athmende Princip gegenüber dem klaren, Wahrheit und Menschenrecht bekennenden Princip den Sieg erhoffen? Und um wieviel war auch der Manu dem Manne überlegen! Kuranda prägnant, treffend, jedes Wort ein scharfer Pfeil, das Ziel erreichend, jeder Satz vom Gefühle eines tiefsittlichen Bewußtseins getragen: es ist nicht mehr der Angeklagte, der durch Vcrthcidigung sich losgesprochen sehen will, seines gerechten Sieges gewiß, umwandelt er sich stolz zum Klüger; kann, was unfehlbar, kein Grund zur Klage gegen ihn gefunden werden, so ist sein Ankläger gerichtet, ist ihm ein Urtheil gesprochen, das ihn für immer vernichet.. Und Herr Brunner, welches Geistesarmuthszeugniß stellt er sich aus! Er, der nur von Blutgier der Juden zu erzählen weiß und fast in jeder Nummer zum Judenhasse auffordert, der Bibel gegenüber ״Manetho und Daumer" als Gewährsmänner aurust, und ihnen den Perser