Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 6 · p. Seite 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 6
Article
Etwas über den Einfluß der jüdischen Philosophie auf die christliche Scholastik
Date
1860-01-01
Page
Seite 215 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829248-2829255-2857146--05488-2857172
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Etwas üb. d. Einfluß d. jüd. Philosophie auf d. christl. Scholastik. 215 daß Gottes Wirken in den weltlichen Dingen nur in absteigenden Graden erfolgen könne. Er spricht von der Welt als einer Contraction Gottes, d. h. das unendliche Wesen Gottes habe sich in seiner Offenbarung in dieser endlichen Welt zusammengezogen (סור הצמצום). Auch sonst ist der Einfluß einer von der Aristotelischen abweichenden Anschauung hier und da erkennbar. In der Hauptsache jedoch sind Albert und Thomas Gegner der Avieebrouischen Doctrin. Anders der scharfsinnige Franziskaner Duns Scotus. Er ist Gebirol nicht blos in der Annahme einer universeilen Materie gefolgt, von der er behauptet, daß sie in allen Dingen, auch in den Engeln, sein müsse, da nur Gott die Unterschiedenheit von Materie und Form znkommt, sondern Gebirols Lehre vom göttlichen Willen hat an ihm einen scharfsinnigen und rücksichtslosen Vertreter und Fortbildner gefunden. Wir glauben, daß es dem Leser nicht unangenehm sein wird, wenn wir ihm, Ritters Darstellung benutzend^), eine ungefähre Vorstellung von der Scotischen Theorie des Willens geben. Duns Scotus folgert zunächst aus der Zufälligkeit der Weltlichen Dinge, daß sic auch einer zufälligen Ursache ihr Dasein verdanken müssen. Es ist daher unmöglich, daß Gott Alles in nothweniger Weise bewirke. Wir müssen vielmehr in ihm selbst unterscheiden ein Princip des Nothwendigen in der Welt und ein. Princip des Zufälligen. Jenes ist der Verstand, dieses der Wille Gottes. Der Verstand ist unfrei wie die Natur, da er an die Gesetze des Denkens gebunden ist, der Wille dagegen wirkt frei. Freilich gilt diese Unterscheidung nicht mit Rücksicht auf Gott an sich selbst. Im Wesen Gottes ist Alles einfach und nothwendig. Sein Verstand erkennt sich selbst, sein Wille will sich selbst von Ewigkeit her mit Nothwendigke.it. Aber in Bezug aus die Welt und ihre zufälligen Dinge ist zu sagen, daß sie Gott zufällig will und sein Verstand hinterdrein sie zufällig erkennt. Er polemisirt mit Heftigkeit gegen den Determinismus, nach welchem der schöpferische Wille Gottes immer erst von-seineu! Verstände bestimmt wird. Das sei bei dem Thun der Menschen der Fall. Dagegen will Gott nicht, weil sein Verstand einsieht, daß es gut sei, sondern umgekehrt weil Gott es will, darum ist das Gute gut. In dieser Richtung schreitet Duns fort und würde die Welt in ein so Willkürliches, von 8) Ritter, 1. 1. S. 676 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.