Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Etwas über den Einfluß der jüdischen Philosophie auf die christliche Scholastik
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 8)
- Language
- German
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212 .Etwas üb. d. Einfluß d. jüd. Philosophie auf t>. christl. Scholastik. - auch Albert die schöpferische Wirksamkeit Gottes als einzig׳ in ihrer Art, als ein Wunder, und erhebt denselben Einwand, den wir auch bei Maimonides lesen, gegen die späterer; Aristoteliker, die von einer Veränderung des göttlichen Willens reden, wenn man die. Weltschöpfung statuirt, daß sie nämlich ihre eigene Annahme, der thätige Verstand sei ohne sich zu verändern thätig, vergessen hätten. Aber nicht bkos in der Maimonides' eigenen Auffassung des göttlichen Willens, sondern auch in der Bestimmung des Gottesbegriffes überhaupt brachte Maimonides eine sehr erkennbare Umgestaltung des scholastischen Denkens hervor. Noch Petrus Lombardus hat ziemlich grobe anthropomorphistische Begriffe in dieser Beziehung 2). Bei Thomas hingegen begegnen wir genau derselben abstracten Fassung des Gottesbegriffes, wie sie Maimonides in seiner Lehre über die Attribute vorträgt. Auch er läugnet, daß Gott aus Wesen und Differenz bestehe, also alle Möglichkeit ihm zu desiniren, alle cognito quidditativa. wie der scholastische, Ausdruck ist, und erklärt sich, während Aureolus gegen, für ״Rabbi Moses״s). Erwähnenswertst ist ferner, daß der ontologische Beweis zurücktritt und von den fünf Beweisen, die Thomas für das Dasein Gottes beibringt, alle mit Ausnahme eines einzigen, der kaum, selbst vom Standpunkte der Scholastik, ein Beweis zu nennen ist, bei Maimonides Vorkommen. Der dritte Beweis ist bei Maimonides wie bei Thomas der unter dem Namen des kosmologischen noch von Wolf festgehaltene, der von der Zu- Fälligkeit der vorhandenen Welt auf ein Wesen von nothwendigem Dasein schließt. Man kann unmöglich verkennen, daß in der Form, in der ihn Thomas vorträgt, er dem Maimonides entnommen ist. Der fünfte, der so genannte phy siko th eot ogische, der . von der Zweckmäßigkeit der Welt schließt, kommt bei Maimonides im dritten Theile seines More nur gelegentlich vor. Am berühmtesten endlich ist Thomas' Lehre über das in der Welt vorhandene Nebel. Leibnitz in seiner Theodicee hat sie in der Hauptsache adoptirt und nur in manchen Stücken vervollkommnet. Daß aber diese Lehre von der Natur des Nebels 2) Eberstein, Ueber die Beschaffenheit der Logik und Met Physik rc. S. 67. 3) Vergl. die oltn aus Delitzsch angeführte Stelle in ,,Eberstein, natüriliche Theologie der Scholastik" S. 62.