Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Etwas über den Einfluß der jüdischen Philosophie auf die christliche Scholastik
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
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208 Etwas üb. b. Einfluß d. jüd. Philosophie auf d. christl. Scholastik. Johannes Grammaticus mit Johannes Philoponus, eine Identificirung, die auch Munk acceptirt 3 4) durchaus ungerechtfertigt, erscheint. Johannes Grammatikus lebte bekanntlich im 9. Jahrhundert und war der gelehrte Erzieher des Kaisers Theophilus (829—842), der ihn zum Patriarchen erhob. Zu seiner Zeit war nachweislich wissenschaftlicher Verkehr zwischen Constantinopel und Bagdad, so daß man nur an ihn und nicht an den zu Ende des 6. und zu Anfang des 7. Jahrhunderts lebenden Alexandriner Johannes Philoponus zu denken hat. Es dürfte nun nicht uninteressant sein, gerade die berühmtesten nichtsüdischen Aristotelesübersetzer des 13. Jahrhunderts anzusühren und die Bedeutung der Concurrenz, die sie dem Ruhme der jüdischen Uebersetzer machen, abzuwägen. Es sind dies vor Allen Boethius der Zweite und Wilhelm von Moerbeka, denen Uebersetzungen aus dem griechischen Originale zugeschrieben werden, und Michael Scotus, der aus dem Arabischm übersetzt hat. Was Boethius anbetrifft, so muß er allerdings im 13. Jahrhundert existirt haben, ohne daß Jourdain ihn doch Nachweisen kann. Es sind nämlich sogenannte Boethianische Versionen Aristotelischer Schriften vorhanden, die als neue Uebersetzungen bezeichnet werden und erst im 13. Jahrhundert auskamen. Jourdain findet nun einen gelehrten Mann dieses Namens, den aber Pico von Mirandola und Altamura um ein Jahrhundert spater leben lassen. Daß es gewaltsam ist, aus diese unverdächtigen Zeugnisse nichts zu geben, und den gefundenen Boethius, der nicht einmal gerade! als Uebersetzer bezeichnet ist, früher zu setzen, leuchtet ein. Die Schwierigkeit löst sich aberviel einfacher und ohne daß wir dem alten berühmten Boethius einen Doppelgänger zu geben brauchen. Da nämlich der alte Boethius aus dem griechischen Originale übersetzt hatte und man im Mittelalter gewöhnlich nur arabisch-lateinische Uebersetzungen kannte, so nannte man zum Unterschiede von denselben die später aufkommenden griechisch-lateinischen nach dem alten Boethius Z. Der zweite Uebersetzer, Wilhelm von Moer- 3) Munk, 16 guide des egares S. 341. 4) Jourdain berichtet S. 66, daß er ein Manuscnpt der Metaphysik in der bibliotheque de S. Victor gesehen habe, an dessen Spitze die Worte stehen: ״Decem libri metaphysicae ex versione Boethici“, und an dessen Ende: ״Translatio nova sive Boethic-i.“ Da es keinen Mann