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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 6 · p. Seite 207

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 6
Article
Etwas über den Einfluß der jüdischen Philosophie auf die christliche Scholastik
Date
1860-01-01
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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Etwas üb. d. Einfluß d. jüd. Philosophie auf d. christl. Scholastik. 207 übertragen. Man lernte jetzt Jbn-Sina's physische und metaphysische Schriften, die Werke Al-Gazali's, Alfarabi's und Avicebron's (Gebirol^s) kennen. Der eigentliche Sachverständige aber bei diesem Uebertragungsgeschäste war der Jude Johannes Avendeath, während Dominikus Gundhalvi, auf dessen Namen die Uebersetzung geht, nur nach seinem Dictate gearbeitet hat. Selbstverständlich nun mußte die Bekanntschaft mit den genannten Philosophen, namentlich mit Jbn-Sina, die Nachfrage nach den Schriften des Aristoteles und seiner arabischen Ausleger sehr vermehren, so daß hundert Jahre später, um die Mitte des 13. Jahrhunderts, notorisch alle Schriften des Aristoteles dem christlichen Abendlande bekannt waren. Jourdain weist, aber bei dieser Gelegenheit nach, daß man irren würde, von den Scholastikern anzunehmen, sie Hütten ihre Uebersetzungen lediglich den aus dem Arabischen übertragenden Juden zu verdanken; vielmehr habe Thomas von Aquino unzweifelhaft auch unmittelbar aus dem Griechischen gearbeitete Uebersetzungen benutzt. Die Richtigkeit dieser Thatsache zugebend können wir doch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß man die Tragweite derselben leicht überschätzen kann. Keiner der eigentlichen Träger der scholastischen Philosophie des 13. Jahrhunderts, namentlich nicht Albert und nicht Thomas, hatten eine auch nur im Geringsten uennenswerthe Kenntniß der griechischen Sprache. Man war demnach genöthigt, sich der lateinischen Uebersetzung zu bedienen, ohne das griechische Original zu befragen, wie Jourdain selbst aus einer Stelle des Wilhelm von Auvergne, Bischofs von Paris und Zeitgenossen des Albert und Thomas, beweist. Konnte es schien, wenn man noch die Achtung, in der Jbn-Sina und andere Ausleger des Aristoteles im Auslande standen, mit in Betracht zieht, daß man den Aristoteles lediglich so verstand, wie er von Arabern und Juden interpretirt wurde? Freilich meint Jourdain, daß Thomas noch mehr griechische Quellen, namentlich auch Erklärer des Aristoteles gehabt haben müsse, da er den Johannes Grammatikus — nach Jourdain identisch mit dem bekannten Ausleger des Aristoteles, Johannes Philoponus, — citirt. Dagegen ist aber einmal zu bemerken, daß Johannes Grammatikus ein den Arabern sehr bekannter Mann gewesen ist, da ihn Maimonides nicht blos nennt, sondern auch als Vorbild der Motakallimun hinstellt 2). Dann daß die Jdentisicirung des 2) More Neb. 1, 71. 16*

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