Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Notizen.
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829248-2829254--05472-2857139- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Notizew 203 Krankenlagers zur Bekehrungsstätte mit dem tiefsten Unwillen aus 1). — Dieser Eindruck ist noch lebendig und wir vernehmen einen andern aus dem Concordat emanirenden Act. Der Erzbischof zu Przemysl hat durch einen Hirtenbrief seinen Diözesanen unter Excommunication verboten, bei Juden in Dienst zu treten. Ein Pfarrer in Rzesow hat dieses erläutert: ״der Staat gestattet zwar solches (wie bekannt hat der Kaiser erst unlängst durch ein Allerhöchstes Gesetz alle in dieser Hinsicht bestehenden Beschränkungen aufgehoben); die Kirche aber verbietet es, und wird jedem im Dienste eines Juden stehenden Christen Beichte, christliches Begräbniß u. s. w. verweigern" 2). Was wird wohl der Staat diesem Verfahren entgegenstellen? Und würde in früherer Zeit ein Kirchenfürst gewagt haben, der weitlichen Macht, einem von dem Staatsoberhaupte ergangenen Gesetze, in solcher Weise Hohn zu sprechen? Doch lassen Sie uns zu mancher erfreulichern Seite wenden. Diese Tage wurde hier der gedruckte Bericht der CHewra Kadischa ausgegeben. Die Wirksamteit dieses Vereins ist herzerhebend; dieses Jahr äußerte er sich in der Erwerbung eines neuen Gottesackers, wozu die Wiener in gewohnter Mildthätigkeit großartig beigetragen. Der Bericht enthält auch mehrere treffliche Toaste, die bei Gelegenheit der ״Chewra Suda" ausgebracht wurden: wir heben den des Herrn Predigers Mannheimer hervor, der in zwar humoristischer, aber dennoch nicht minder ergreifender Weise, das Einst und Jetzt, den früher auf den Juden ruhenden und jede laute Aeußerung hemmenden Zwang und das gegenwärtige durch die kaiserliche Huld gestattete freie Auftreten, in beredter Weise vergegenwärtigte, und ein, den tiefsten Wiederhall in den Herzen aller Anwesenden findendes Lebehoch auf Se. Majestät den Kaiser, ausbrachte, der dieses neuere freie Leben den Juden eröffnet. Noch erlaube ich mir einer vor einigen Wochen hier erschienenen Broschüre zu erwähnen, die ebenfalls von dem fortgeschrittenen Zeitgeist erzählt. Sie führt die Aufschrift ״David Bernhard Frankl" und enthält die Lebensgeschichte dieses Mannes, der im Leben wie im Tode die seltensten Auszeichnungen genoß, wie sie kaum hier einem 1) Nach einer uns zugetommenen Mttheilung hat der unlängst verstorbene Isaak Taußig zu Prag unter vielen großartigen Legaten auch 80,000 fl. zum Baue eines neuen jüd. Hospitals bestiinmt. Hoffentlich wird hierdurch derart'igen trüben Ereignissen vorgebeugt sein. D. R. 2) Der betreffende Pfarrer hat in Wiener Blattern in Abrede gestellt, daß er diese Worte gesprochen. D. R.