Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Bunsens Bibelwerk [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 8)
- Language
- German
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Recensiy um und Anzeigen. 149 dem von Jesus gebrauchten Bilde schließt das Eine nicht eben nothwendig das Andere mit ein. Es ist ja nicht unmöglich, das Kleine zu beachten, aber auch dem Großen gerecht zu werden. Es hat in Preußen Rabbinen und andere Israeliten gegeben, die mit größter Gewissenhaftigkeit jedes pharisäische Gebot erfüllten, denen aber deshalb das Gottesbewußtsein nicht entschwunden war, die vielmehr von Christen, wie von Juden, wegen ihrer Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Wohlthätigkeit gegen Alle ohne Unterschied der Person und des Glaubens hoch gerühmt waren. Wäre es gegründet, was der Verfasser annimmt, daß die levitischen und späteren Satzungen mit dem Gottesbewußtsein in einem Widerspruche und Kampfe standen, Lei welchem das Eine oder Andre Preis gegeben, werden mußte, so konnte die erste Sorge Christi nur dahin gehen, das Beobachten aller dieser äußern Satzungen seinen Jüngern zu verbieten und dabei mit seinem eignen Beispiele offen und deutlich voranzugehen. Wir erfahren aber aus ihren Schriften gerade das Gegentheil. Wenn Jesus auch nicht ״Mücken seigte", wie aus einigen seiner Bemerkungen hervorgehet, mit welchen die maßgebenden Ansichten auch der damaligen Pharisäer im Allgemeinen übereinstimmen, so ist es doch ganz unwiderleglich und auch von christlichen Theologen anerkannt, daß Christus jene׳ Satzungen genehmigt und selbst pünktlich erfüllt hat und daß die Jünger nach seinem Tode desgleichen thaten, folgend seiner ausdrücklichen Weisung: ״Auf Mosis Stuhl sitzen die Schristgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie auch sagen, daß ihr halten sollt, das haltet und thut es" Matth. 23, ff. Er tadelt daselbst V. 23. mit Recht diejenigen, die das Kleine erfüllen, aber lasten ״dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben, aber keinesweges lehrt hier Jesus, wo es doch am Orte gewesen wäre, daß das göttliche Gebot und Sittengesetz uud die äußere Satzung einander ausschließen, sondern er fordert eine Verbindung beider und setzt hinzu: ״dies sollte man thun, und .j enes ni cht l affe n." Dasselbe schärfen schon die Propheten und die gesetzlich maßgebenden pharisäischen Lehrer auf das Nachdrücklichste ein. Der Verfasser glaubt ferner, jenes GotteSbewußtsein, 'sei in einem verstocktenvon Welt und Menschheit feindlich abgesonderten Jud'enthume endlich untergegangen. Also dasselbe Gottesbewußtsein, das in Abraham , seinem Hause und der Gemeinde Mosis lebte, sollte zur Zeit Jesu und nach ihm und gegenwärtig in keinem Israeliten mehr vorhanden sein? Menschen ohne Gottesbewußtsein,