Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Bunsens Bibelwerk [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 7)
- Language
- German
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148 Recensionen und Anzeigen. Kreise. Dann erzählt sie die Fortleitung des Abrahämischen Gottesbewußtseins in dessen Hausstande. Abraham hatte diesen ausgesondert von den Nachbarstämmen, welche in Selbstsucht und roher Sinnlichkeit untergcgangen und dadurch einem frevelnden^Naturdienste Verfällen waren. Hier erscheint also das Gesammtbewußtsein in einer heiligen gottgewcihten Stammgemeinde. Aus ihr geht nach vielen Jahrhunderten ein Volk hervor, in welchem Moses jenes Sittengesetz zum Staatsgesetze gemacht hatte. Allein dieses Gottesbewußtsein geräth in Kampf mit den äußerlichen levitischen Ordnungen und späteren Satzungen, die sich an dasselbe angehängt hatten.' Es geht endlich unter in einem verstockten, von Welt und Menschheit feindlich abgesonderten Judenthume. So weiht es denn mit vollem Bewußtsein dem Untergange Derselbe, welcher aller Äbrahamischen Verheißung und alles Mosaischen Gesetzes Erfüllung und Ende war." Zuerst also wäre das Gottesbewußtsein, das in der heiligen Gemeinde Abrahams und Mosis wirklich gelebt, in Kamps gerathen mit den äußerlichen levitischen Ordnungen u. s. w. Der Verf. denkt hierbei, wie es scheint, nicht nur an die den eigentlichen Leviten-Dienst betreffenden Opfer- und andere Bestimmungen, sondern an das ganze Ceremonialgesetz überhaupt, von dem schon vorhin die Rede war. Ein Kampf zwischen diesem und jenem Gottesbewußtsein wäre nur möglich gewesen, wenn beide dem Princip nach einander entgegensetzt waren, das war aber doch wohl schwerlich der Fall. Auch die spater mehr angehäuften Satzungen der Rabbinen hatten doch alle den ausgesprochenen Zweck, nicht etwa das Gottesbwußtsein zu unterdrücken, sondern die Lehre Mosis mit neuen Schutzmaßregeln und Erinnerungsmitteln zu umgeben, damit kein Titel derselben der Beobachtung sich entziehe. Es ist wahr, man kann hierin, wie" in allen Dingen, zu scrupulös sein , den pharisäischen Müßiggängern, die Jesum hier und dort mit ihren Disputationen auf der-Straße Überfällen, und die man nicht mit den damaligen hochgestellten, tonangebenden Männern dieses gelehrten Kreises identificiren wird, wirft derselbe wahrscheinlich mit Recht vor, daß sie Mücken feigen und Kameele verschlingen. Die Pharisäer selbst haben uns tadelnde Bemerkungen ähnlicher Tendenz hinterlassen,, sie selbst führen mehrere Klassen von Pharisäern auf, die nicht das rechte Maß zu finden wissen, als Vorbild aber stellen sie den ״Pharisäer aus Liebe" auf, der nicht aus Furcht, sondern aus Liebe den Willen seines Vaters im Himmel vollbringt. Aber auch in