Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Bunsens Bibelwerk [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 6)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 147 des blinden Naturdienstes und äußerlicher Gebräuche ein Bewußtsein des unmittelbaren Verhältnisses jedes einzelnen Israeliten zum Ewigen zu. setzen. Und dieses Bewußtsein ist bis zum heutigen Tage dem Israelis geblieben, dieser Aufblick zum Ewigen allein hat ihm in dem Märtyrerthum der Jahrtausende Trost, Kraft und Ausdauer verliehen, und die Hoffnung nicht entschwinden lassen, daß dereinst, ״wenn die Fülle der Heiden eingegangen sein wird" der Geist und zwar auch der Geist der Liebe in der Menschheit seinen Sieg feiern werde, was man bis jetzt wie der edeldenkende Mann gern eingestehen wird, selbst von der Christenheit im Allgemeinen, zumal den vielfach gedrückten und rechtlos gestellten, gelegentlich ihrer Kinder, wie Motara, beraubten Israeliten gegenüber, noch nicht bezeugen kann. Wir adoptiren gern jenen Satz, daß ״der Buchstabe tödte und nur der Geist belebe;" denn Moses und die Propheten haben durch und für den Geist gezeugt, sie haben es mit alle weitere Erläuterung überflüssig, machender Lautlichkeit ausgesprochen, daß alle Opfer und alles Festgesänge und jeder äußere Dienst ״ein Gräuel sei," so der Mensch nicht von dem rechten Geist erfüllet ist. Zwar hat das Jsraelitenthum, was ja auch dem Christcuthum nicht fehlet, manches äußerlich-religiöse Cercmonie, aber dasselbe ist eben nur Träger geistiger Erinnerungen und Gedanken. Wahrlich nicht der ״tödtende Buchstabe" hat Israel durch neunzehn Jahrhunderte seit Christus erhalten, sondern der Geist, vor Allem der Geist des Vertrauens und der Liebe, der in dem israelitischen Familien- und Armen« Wesen und auch gegen Christen und Heiden sich nicht verleugnet hat. Es ist traurig, daß viele großdenkende Männer innerhalb der Christenheit sich von dem Judenthume und dem, was es eigentlich vom Christenthume unterscheidet, gar keine klare und nur irgend annähernde Vorstellung machen, um so traurigrr, da Israeliten theilweise selbst daran Schuld sind, denn sie haben zu wenig gethan, um die Meinungen hierüber aufzuklären. Besonders schmerzlich aber muß es uns sein, wenn in einem Bibelwerke, bestimmt der Gemeinde in die Hände, gegeben zu werden, Judenthum und Christenthum in ein Derhältniß gestellt werden, welches in der Bibel, wie in der Geschichte, seine Widerlegung findet. Der geehrte Verfasser entwirft von diesem Verhältnisse und von der Geschichte des Judenthums folgendes Bild (S XCYI): Zuerst berichtet die Bibel von dem ״Gottesbewußtsein, als Lildungskräftig und weltgeschichtlich geworden in einem einzelnen Gottessreunde Abraham, und durch ihn in seinem patriarchalischen