Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Bunsens Bibelwerk [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829248-2829253-2857034--05400-2857062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 JRcccnftoricn und Anzeigen. Gedanke und das nicht minder erhabene Gottesbewußtsciu Abra- Hains, sondern auch die einzig köstlichen Ueberlieferungen von der Menschen - Schöpfung durch den Ewigen. — — Und zwar geschah dieses in der Stadt, welche bereits damals als Verbindung Europas mit Asien und Aegypten und durch die größte und ausgewähltest« Büchersammlung die Stellung eines menschheitlichen Mittel- Punktes gewonnen hatte."- ״ Derselbe Geist zeigt sich, etwa anderthalb Jahrhundert später, in der großen Makkabäerzeit, wo man, nach gleichfalls gut beurkundeter Ueberlieferung in Palästina begann, bei dem Vorlesen des Gesetzes eine Verdolmetschung in der Landessprache hinzuzufügen, nachdem die Ursprache dem Volke allmälig fremd geworden war."-- ״Auch diese Sitte bezeugt eine Auffassung der Schrift als einer Urkunde des Geistes, und des Gottesdienstes als einer geistigen That, die eben so wohl auf die Erleuchtung des Gewissens durch die Vernunft gerichtet ist, als auf die Geltendmachung des sittlichen Gottesbewußtseins bei der vernünftigen Betrachtung. Dadurch allein wurde es dem Juden möglich, den Gedanken der heiligen Ueberlieferung zu trennen von seiner geschichtlichen Form, den Geist zu scheiden von seinem Werke und Gehäuse, der Sprache." ״Diese Ansicht kommt aus dem ursprünglichen und Eigenthümlichen des Glaubens Abrahams, und ist eben so einzig in der Weltgeschichte als dieser. Die Aegypter haben ebenso wenig eine solche Sonderung des Geistes vom Buchstaben vorgenommen oder zulässig erachtet, als die Chinesen; ja noch weniger als diese." — — ״ Ja selbst die stamm- und geistesverwandten Araber können sich bis auf den heutigen Tag ihr Gesetz, den Koran, nicht getrennt denken von der Sprache des Gesetzgebers und feiner Heimat. Noch auch haben die arischen Völker, unsere eigenen Stammgenossen, sich zu einer solchen geistigen Auffassung der heiligen Ueberlieferung erhoben." Es folgt eine nähere Aufführung der Inder, der Bakterer, Meder und Perser. Auch die Griechen, ״das geistreichste Volk der Welt", auch sie ״besaßen nie eine eigentliche heilige Schrift, das heißt eine geschrieben« heilige Ueberlieferung, als Grundlage des Gottesbewußtseins und der Anbetung." Noch wird darauf hingcwicsen, daß in den'״Geistlichkeitskirchen von Byzanz und Rom" ״das Wort des lebendigen Geistes an tobte Sprachen" gebunden sei. ״Anders die Inden, — fährt der Verfasser fort— bereits vor fast zweiundzwanzig Jahrhunderten: und zwar mit gleicher Gefinnung in Alexandrien und in dem eifersüchtig auf örtliche Ein-