Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Bunsens Bibelwerk [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 2)
- Language
- German
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Recenfiönen und Anzeigen. 143 bewegenden Combination jene Redlichkeit, jenes Mißtrauen gegen sich selber, jene Ehrfurcht vor der Wahrheit, durch welche der wahre Forscher sich auszeichnet. Bunsen hat in seinen hohen Wirkungskreisen Gelegenheit in Fülle gehabt, einen weiten Md tiefen Bleck in das Leben zu thun und es in allen seinen Bewegungen kennen zu lernen, das Leben aber ist der beste Commentar der Wissenschaft. Sein inniger, religiöser und erleuchteter Sinn befähigt ihn noch mehr zum Herausgeber und Commentator der Bibel, und das uns vorliegende Werk mit dem umfassenden wissenschaftlichen Apparat, der schon in den Einleitungen sich vor Augen stellt, bestätiget das Recht unserer Ansprüche. Von einem solchen Manne werden wir Wahrheit und Liebe fordern und erwarten, zunächst in Rücksicht der klaren und nachempfindenden Auffassung des Textes, dann aber auch da, wo von Denen die Rede ist, welche dies Buch zuerst empfingen und bewahret, die aus dem Ruin der alten Welt dies Heiligthum unter tausendfachen Gefahren gerettet haben. Scheint dieser Mann irgendwo zu irren, was in dem Wesen der nirgend infallibeln Menschlichkeit allein seinen Grund haben kann, so werden Wahrheit und Lieb« es ihn gern dulden lassen, wenn wir, dankbar für so Vieles, in Wenigem unsere Gedanken frei und unumwunden aussprechen. Der durch Uebersetzungen bewiesenen geistigen Würdigung der h. Schr. von Seiten der alten Israeliten läßt Bunsen zunnächst voll« Gerechtigkeit widerfahren. Er sagt darüber in denVorerinnerungen. S. LXYII f.: ״ Es war ein würdiger Gedanke der Alexandrinischen Juden, daß fie bald nach dem Jahre 300 vor unsrer Zeitrechnung, unter Ptolemäus Philadelphus, und, wie es scheint bereits bei Lebzeiten seines Vaters, des Gründers dieses Königshauses, die erforderlichen Schritte thaten, damit das Gesetz in die Weltsprache übertragen würde, welche seit Alexander die ihrige geworden war. Damit wurde das große Wer! ihres unsterblichen Gesetzgebers in demselben Lande einheimisch gemacht, in welchem Moses, vom Geiste Gottes beseelt, und von edelster Liebe zu seinem Volke getrieben, den erhabenen Gedanken faßte, das Sittengesetz zum bürgerlichen zu machen und an die Stelle des blinden Naturdienstes und äußerlicher Gebrauche ein Bewußtsein des unmittelbaren Verhältnisses jedes ein« zelnen Israeliten zum Ewigen zu setzen. Aber zugleich (und das war unendlich wichtiger) wurde Großes Und rein Menschliches eingebürgert in die griechischrömische Welt: nicht blos der mosaische 11 *